Design Thinking ist seit einigen Jahren ein Trend, um neue, kreative und kundenorientierte Produktideen zu finden und umzusetzen.

Der Ansatz ist dabei eigentlich nicht ganz so neu, wie oft getan wird. Er vereint Kreativprozesse, Prototyping, ständige Feedbackschleifen und Nutzertests in ein übergreifendes Framework.

Es wird wie ein Designer vorgegangen, der mehrere grobe Entwürfe macht, immer wieder Feedback einholt, Dinge verwirft bis er nach und nach die passende Richtung gefunden hat und ins Detail geht.


 

Design Thinking hat dabei mit Lean Startup Gemeinsamkeiten, was die Feedback-Schleifen und das ständige Ausprobieren angeht.

Dabei fängt Design Thinking aber viel früher an und wird bereits während der ersten Produktkonzeption angewendet – während bei Lean Startup das intensive Testen und Lernen erst mit dem Launch eines MvP (Minimal Viable Product – das erste marktreife Produkt mit den allerwichtigsten Funktionen) beginnt.

Vorteil: Durch Design Thinking wird zum Start weg viel experimentiert, es entstehen mehr und kreativere Ideen und die Umsetzung ist von Beginn an am Kunden orientiert.

Nachteil: Die Phase bis zum MvP dauert länger, wenn man mit einem intensives Design Thinking Projekt loslegt.

Lean Startup & Design Thinking

Natürlich kann man beides perfekt kombinieren.

Man muss nicht im stillen Kämmerlein warten bis das MvP fertig ist, sondern kann mit Prototypen und Nutzertests von Anfang an experimentieren.

Das können bei einer digitalen Idee ein paar Mockups (Designentwürfe) sein, die potentiellen Kunden Feedback gezeigt werden. Diese werden danach immer weiter verfeinert zu komplexeren Prototypen.

Bei physischen Produkten können Ideen direkt zu Beginn als einfache Entwürfe mit Pappe zusammengebastelt werden.

Genau diese Art von Prototyping entspricht bereits der einfachsten Art von Prototypen beim Design Thinking: Der Paper Prototype.

In das Lean Startup typische Build – Measure – Learn geht es dann nahtlos über, wenn die erste marktreife Produktversion (der besagte MvP) fertig ist. Beides passt daher sehr gut zusammen.

Wie sieht der Design Thinking Prozess aus?

Beim Design Thinking gibt es zwei unterschiedliche Prozesse:

  • Der Mikrozyklus
  • Der Makroprozess

Der Mikrozyklus

Beim Mikrozyklus geht es um einzelne Aufgaben, die innerhalb eines Makroprozess-Schritts durchgeführt werden können (es müssen nicht immer alle Aufgaben durchgeführt werden).

  1. Problemdefinition und Re-Definition?
    Worum geht es überhaupt? Was sind die Probleme, zu denen Lösungen gefunden werden müssen? Welche Fragen müssen beantwortet werden? Hat sich die Problemstellung durch erste Erkenntnisse wieder verändert?
  2. Need-Finding und Synthese
    Welche Bedürfnisse gibt es, die befriedigt werden sollen? Festlegen der Kundengruppen, Durchführung von Beobachtungen, Interviews mit möglichen Kunden und Ausprobieren bestehender Lösungen, Analyse der gesammelten Informationen.
  3. Ideengenerierung
    Ideen werden auf Basis der gesammelten Erkenntnisse generiert. Dazu können Workshops und verschiedene Kreativtechniken genutzt werden.
  4. Prototyping und Storytelling
    Es werden Prototypen erstellt, um die Ideen auszuprobieren und evaluieren zu können. Je weiter der Makroprozess fortgeschritten ist, umso weniger Prototypen entstehen, dafür aber komplexere.
  5. Testen
    Mit einer Testgruppe werden nun die entwickelten Prototypen ausprobiert.

Der Makrozyklus

Der Makrozyklus bestimmt den Pfad vom Kick-off bis zum Ende eines Design Thinking Projekts. In jeder Phase werden ein oder mehrere Mikrozyklen durchgeführt.

Design Thinking Makroprozess

  1. Design Space Exploration
    Erkundung und Definition der Problemlösung. Das Need-Finding spielt in diesen Schritt eine besonders wichtige Rolle.
  2. Critical Function-Prototyp
    Erstellung von sehr einfachen Prototypen, die die Kernfunktion abbilden. Need-Finding ist weiterhin sehr wichtig.
  3. Dark Horse-Prototyp
    Versuchen, bisherige Ansätze über den Haufen zu werfen und einfache Prototypen für radikale Lösungen zu erstellen.
  4. Funky-Prototyp
    Zusammenführung der vielversprechendsten Prototypen. Hier findet der Übergang von der divergierenden in die konvergierende Phase statt, bei der die Anzahl Prototypen geringer wird und sich eine Lösung nach und nach herausbildet.
  5. Functional-Prototyp
    Umfassendere Prototypen, die alle wichtigen Funktionieren beinhalten bzw. simulieren.
  6. X-is-finished Prototyp
    Eine Funktion des finalen Prototyps muss voll funktionsfähig sein, um den Aufwand für den finalen Prototypen besser abschätzen zu können.
  7. Finaler Prototyp
    Das Ergebnis des Design Thinking Projekts: Der fertig ausgearbeitete finale Prototyp.

Design Thinking langfristig anwenden

Das Konzept Design Thinking geht davon aus, es nicht nur einmalig für ein Projekt anzuwenden, sondern langfristig zu verankern.

Der Fokus liegt ganz darauf, sich am Nutzer zu orientieren und die Nutzer in die Generierung und Umsetzung von Ideen durch Feedbacks mit einzubeziehen.

Es geht außerdem darum, in funktionsübergreifenden Teams (cross-functional) zu arbeiten und durch unterschiedliche Perspektiven innovativer zu werden.

Auch das Raumkonzept spielt eine Rolle. Es wird viel im Stehen und visuell an Whiteboards gearbeitet. Die Raumgestaltung soll flexibel sein und sich schnell anpassen lassen. Dadurch wird das kreative Potential viel besser gehoben.

Fazit Design Thinking

Design Thinking wurde von der Innovationsagentur IDEO als Prozess für kreative Ideenentwicklung konzipiert. Dabei ist Design Thinking in den letzten Jahren sehr beliebt und zu einem kleinen Hype geworden.

Die Konzepte innerhalb des Design Thinkings sind dabei jedoch nicht neu. Cross-functional Teams, Nutzerfokus, Prototyping und Tests gab es auch schon vorher.

Der Reiz von Design Thinking ist, dass es ein komplettes Framework anbietet, das man abarbeiten kann. Oder man pickt sich einzelne Bestandteile raus und integriert diese in seine Arbeit.

Das Rad wird also nicht neu erfunden. Es lohnt sich aber, sich mit Design Thinking zu beschäftigen. Denn auch heutzutage sind viele Projekte zu wenig am Kunden ausgerichtet und Ideenfindung wird viel zu wenig durch gute Kreativprozesse flankiert – und das gilt auch für Small Business Konzepte, die mit wenig Geld umgesetzt werden.

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