Wenn ich mich mit Digitalunternehmern über ihre Mobile Strategie unterhalte, ist das Thema Smartphone App ganz vorne mit dabei. Jeder, der sich die Nutzungszahlen seines Online Angebots anschaut, sieht es: Der Trend in Richtung Mobilnutzung ist schon seit Jahren da und die Zuwächse der Mobilnutzung sind weiterhin enorm.


 

Natürlich denkt jeder Plattform- oder Online-Shop Betreiber mit diesen Zahlen vor Augen an eine eigene App – wenn es sie noch nicht gibt.

Aber sind Apps immer noch die Zukunft? Statistiken deuten auf etwas anderes hin: In einem typischen Monat installieren 49% der US-amerikanischen Smartphone Nutzer – na wie viele sind es wohl? – ganze 0 Apps!

Das ist auch verständlich, denn irgendwann verliert selbst der größte Mobile Geek den Überblick über all die Apps, die bereits auf dem Smartphone installiert wurden und von denen die meisten überhaupt nicht genutzt werden.

Die Revolution der Chatbots

Diese Grenzen des App-Wachstums sind vor allem im Zusammenhang mit einem anderen Trend interessant: Conversational Bots beziehungsweise Chatbots (auch interessant: 5 revolutionäre Tech Trends für kleine Unternehmen)!

Dabei geht es darum, Messenger wie den Facebook Messenger oder WhatsApp für alle möglichen Dienstleistungen zu nutzen.

Wie wird das Wetter morgen? Wo finde ich das nächste indische Restaurant in der Nähe? Wo finde ich die neuen gewünschten Sportschuhe zum besten Preis?

Warum noch eine App öffnen oder eine Suchmaschine im Webbrowser nutzen, wenn alles über den Messenger gemacht werden kann?

Conversational Bots: Der Messenger WeChat macht es vor

Ein anderer Begriff für Chatbot ist Conversational Bot. Der Begriff macht noch besser deutlich, dass es um maschinelle Konversation mit dem Nutzer geht.

Der Trend wird übrigens sehr stark durch den chinesischen Markt getrieben. Das „chinesische WhatsApp“ WeChat ist in vielen Bereichen weiter, als das amerikanische Pendant WhatsApp.

Bezahldienste sind längst in WeChat integriert und auch die Jobsuche oder Bestellungen werden nicht selten direkt über den chinesischen Messenger durchgeführt.

Nun drängt Facebook mit seinem Messenger ebenfalls massiv in diese Richtung. Mit 900 Millionen Facebook Messenger Nutzern ein gigantisches Potential. Der FB Messenger als Schaltzentrale für alles Mögliche kann sogar Google gefährlich werden.

Ebenfalls setzen WhatsApp und kleinere Konkurrenten wie Telegram auf diesen Trend.

Spannend sind zudem Ansätze, die Chatbots mit der physischen Welt in Verbindung zu bringen.

Im Zusammenhang mit dem erwähnten Messenger Telegram wird folgende Idee durchgespielt: Im U-Bahnhof ist ein kleines Bild mit einem Code angebracht, das mit dem Smartphone gescannt werden kann. Dadurch aktiviert sich ein Chatbot in Telegram, der über Fahrpläne und Bahnverbindungen informiert. Außerdem kann über diesen virtuellen Assistenten direkt ein Bahnticket gekauft werden.

Ein Tourist müsste sich nun nicht mehr umständlich eine App des Verkehrsbetriebs runterladen, sondern kann sofort loslegen und seine gewünschte Bahnverbindung buchen.

Sprache könnte das nächste große Ding werden

Aber nicht nur die Interaktion per Text ist interessant.

Amazon Echo ist ein kleiner Assistent, der im Wohnzimmer oder in einem anderen Raum dezent seinen Platz findet.

Er kommuniziert dabei mit dem Nutzer über gesprochene Sprache. Bildschirme sind passé.

Amazon Echo hat einen extrem erfolgreichen Start in 2016 hingelegt. Auch in deutschen Haushalten setzt er sich derzeit als eine Instanz im Smart Home fest.

Letztes Jahr war Amazon Echo einer der Topseller von Amazon und es kam sogar zu Lieferengpässen. Das Interesse auf Seiten der Kunden ist somit auf jeden Fall da.

Marktdurchdringung soll Echo durch das Angebot von Amazon Music als Kern-Service erreichen. Denn das Abspielen von Musik lässt sich vergleichsweise einfach durch eine Sprachsteuerung ermöglichen.

Daneben lassen sich Informationsdienste abrufen und das Bestellen über Amazon ist (natürlich!) möglich. Auch Smalltalk kann der Amazon Assistent.

Zudem setzt Amazon auf Drittanbieter, die ihre eigenen Service über Amazon Echo anbieten können.

Neben den in einem Messenger integrierten Chatbots, bietet somit die Interaktion mittels gesprochener Sprache über Gadgets wie Amazon Echo die nächste Spielwiese für Digitalunternehmer.

Virtuelle Assistenten: Woran es noch hapert

Das klingt alles sehr beeindruckend.

Aber dennoch hapert es weiterhin an vielen Ecken und Enden.

Die Verarbeitung natürlicher Sprache ist eine Königsdisziplin in der Künstlichen Intelligenz. Und genau da hapert es noch, wie ein Test des Chatbots Poncho für den FB Messenger zeigt, der von Zeit Online durchgeführt wurde:

„Sag mir das Wetter!“

„Bist du auf einem Boot? Ich finde nämlich keine Ergebnisse für diesen Ort.“

„Ich bin in Berlin.“

„Sorry, ich habe gerade mein Handy geladen. Was wolltest du sagen?“

„Wetter Berlin“

„Das Wetter in Berlin ist wolkig bei 9 Grad.“

„Und morgen?“

„Purrrrdon?“

„Wetter Berlin Samstag“

„Das Wetter in Berlin ist wolkig bei 9 Grad.“

„Wird es regnen?“

„Es wird später wolkig sein.“

„Wolken sind kein Regen.“

„Purrrrdon?“

Der Dialog zeigt deutlich, dass der Bot kaum in der Lage ist, semantische Zusammenhänge zu finden. Erst nach der exakten Eingabe der Keywords „Wetter Berlin“ versteht der Bot, was gemeint ist.

Wenn die Qualität der Spracherkennung weiterhin so schlecht bleibt, ist eine Google Suche oder das Öffnen einer Wetter App immer noch die schnellere Variante.

Deshalb gilt: Es ist (noch) nicht alles Gold was glänzt.

Das Potential ist jedoch sehr groß. Wer als Digitalunternehmer im Rahmen der eigenen Mobile Strategie einfach noch ‘ne App auf den Markt werfen will, sollte sich vielleicht einmal damit beschäftigen, was noch so möglich ist.

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Hi, ich bin Eric und einer der beiden Gründer von PRENEUR.DE. Mit PRENEUR.DE will ich dabei helfen, die eigene Gründerpersönlichkeit zu formen und dabei selber eine Menge lernen. Ich selbst bin derzeit als Interim Product Owner selbstständig. Wenn ihr mehr erfahren wollt, schaut unter Über uns nach oder bei ericsalbert.de vorbei.

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