Dem Traum von der eigenen Selbstständigkeit steht häufig das Thema Geld im Weg.

Dabei wird vergessen, dass viele Geschäftsmodelle komplett mittels Bootstrapping umgesetzt werden. Bei der Bootstrap-Finanzierung handelt es sich um eine Gründung rein aus eigenen Mitteln.

Wer als Dienstleister, Berater oder mit Content-basierten Geschäftsmodellen startet, braucht in der Regel sowieso kaum Geld, um loszuelegen.

Aber auch „richtige“ Start-Ups mit einer eigenen Produktidee lassen sich bootstrappen!

Wir zeigen, wie es geht und ebenfalls, wann Du besser die Finger vom Bootstrapping lässt und auf externes Kapital setzt.


 

Beim Bootstrapping geht es darum, das eigene Unternehmen (fast) von Anfang an mit einem positiven Cash-flow aufzubauen.

Das steht im Gegensatz zu Modellen, in denen erst einmal auf Hyperwachstum gesetzt wird, um maximale Reichweite zu erhalten und die Eintrittsbarrieren für Konkurrenten hochzuziehen. Typische Beispiele hierfür sind Facebook oder YouTube. Ein profitables Geschäftsmodell war lange Zeit nicht wichtig, solange das Wachstum stimmte.

Beim Bootstrapping setzt man seine Idee so um, dass man von Anfang an ein Geschäftsmodell hat und in kleinen Schritten immer weiter kommt.

Ideal ist es hierbei als Sidepreneur zu starten und das Geschäft nebenberuflich aufzubauen.

Bootstrapping muss nicht komplett ohne eine Startfinanzierung auskommen, es schließt aber definitiv Venture Capital oder andere Finanzierungsformen aus, bei denen man Anteile abgibt.

Du bist zu 100% Dein eigener Boss!

Ebenso werden größere Bankdarlehen zur Unternehmensfinanzierung ausgeschlossen.

Für ein paar erste Ausgaben kommen neben eigenen Ersparnissen Family & Friends ins Spiel, öffentliche Förderprogramm oder ein kleiner Bankkredit.

Bootstrapping ist der einzige Weg, wirklich selbstständig zu arbeiten.

(Julia Soergel und Sebastian Munz, Gründer von Yolk)

Welche Geschäftsmodelle (fast) immer gebootstrapt werden

Es gibt Geschäftsmodelle, die fast immer gebootstrapt werden.

Nehmen wir an, Du willst eine Agentur im Bereich Web-Development, Marketing, Design, Ingenieurberatung oder in irgendeinem anderen Feld aufmachen. Dann wirst Du nicht direkt 500k aufnehmen, 15 Leute einstellen, ohne auch nur einen ersten Kunden zu haben.

Sondern Du fängst erst einmal als freischaffender Berater von zu Hause aus, einem Co-Working Space oder in einem kleinen Gemeinschaftsbüro an. Vielleicht hast Du dir ein paar tausend Euro irgendwoher geliehen oder etwas angespart und kannst sogar an einer Förderung für Selbstständige teilnehmen.

Danach wird das Geschäft nach und nach aufgebaut.

Zu einem späteren Zeitpunkt kann es durchaus Sinn machen, sich mit Wachstumskapital auszustatten, aber ganz sicher nicht in der Anfangsphase.

Das Gleiche gilt für alle, die mit Content-basierten Geschäftsmodellen Geld machen.

Ob Du einen bekannten Blog aufbauen und Einnahmequellen drumherum erschließen willst, als YouTuber neue Tech-Gadgets testen oder Influencer in den sozialen Netzwerken werden willst: Erstmal heißt es, selbst in die Tasten zu hauen.

Du kannst natürlich schneller wachsen, indem Du von Anfang an einige Arbeiten outsourct.

Aber auch hierfür brauchst Du keine riesige Geldmenge. Mal abgesehen davon, dass Dir kein Investor für solche Geschäftsmodelle in der early stage Geld in die Hand drücken wird.

Augen auf beim Teamaufbau

Beim Bootstrapping muss man zu Anfang vieles selber machen.

Deshalb ist es wichtig die Kernkompetenzen selber abzudecken bzw. die Bereitschaft zu haben, sich diese anzueignen. Dabei geht es nicht darum, zu Beginn ein perfektes Angebot zu haben (siehe nächsten Punkt!). Diese Einstellung wäre fatal.

Man muss nicht überall sehr gut sein. Wie bei so vielen Dingen, lohnt es auch auch hier, das Pareto Prinzip zu beachten.

Aber was, wenn Kompetenzen komplett fehlen?

Einen kleinen Online-Shop mit Standardfunktionen kannst Du auch ohne großes IT Know-How für den Start selbst zusammenstricken – und das erste Design bequem für kleines Geld einkaufen.

Was ist jedoch, wenn mehr benötigt wird?

Das Einarbeiten in Themen kostet Zeit und die ist bei vielen knapp. Noch problematischer wird es, wenn tiefergehende Kenntnisse gebraucht werden, die Du nicht mitbringst und deren Erschließung nun mal lange dauert.

Am einfachsten ist es, Du findest jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis, der mitmachen will und die gesuchten Fähigkeiten mitbringt. Ich persönliche gründe am liebsten mindestens zu zweit und kann es jedem empfehlen.

Wenn Du jedoch niemanden findest, kannst Du das Problem mit etwas Kreativität in den Griff bekommen.

Angenommen, Du brauchst unbedingt einen Entwickler, kannst selbst nicht programmieren und willst es Dir auch nicht aneignen.

Dann suche zum Beispiel nach einem ambitionierten Studenten. Du gibst einfach ein paar Prozente als Beteiligung ab oder eine Umsatzbeteiligung über mehrere Jahre. Zur Not könntest Du ein kleines Mini-Gehalt als Entschädigung obendrauf packen.

Die Beteiligung muss dabei gar nicht unbedingt formal sein (vielleicht hast Du zu dem Zeitpunkt auch noch gar kein Gewerbe angemeldet). Du könntest einen Letter of Intent oder eine andere Art von Vereinbarung aufsetzen und euren Deal schriftlich festhalten. Nun kannst Du direkt mit Deinem neuen Teammitglied loslegen.

Günstiges Outsourcing ist eine weitere Alternative.

In der Ukraine gibt es gute Entwickler, die ab 10 Euro pro Stunde arbeiten. Bei Fiverr kannst Du Dir sehr günstig Grafiken, Illustrationen oder Designs erstellen lassen. Und auch ein paar Texte kannst Du günstig über diverse Plattformen einkaufen.

Du siehst, dass der Teamaufbau sehr wichtig ist, um ohne (viel) Kapital etwas reißen zu können. Deshalb mache Dir zu Beginn Gedanken, welche Skills und wen Du für Dein Vorhaben benötigst.

Wenn Du kein passendes Gründerteam aufbauen kannst und Deine Fähigkeiten als Einzelkämpfer nicht ausreichen, gibt es Alternativen. Neben meinen genannten Beispielen gibt es sicher noch mehr Ideen.

Auch bei Gründungen mit Kapital ist das Team natürlich das A und O. Und neben Skills sind noch ganz andere Dinge wichtig. Hierauf einzugehen würde im Rahmen dieses Artikels aber zu weit gehen.

Bootstrapping: Pretotyping und MvP

Es ist unumgänglich so schlank wie möglich zu starten. Nur so kommst Du aus eigener Kraft an Dein Ziel. Die Gründe dafür sind eigentlich selbsterklärend:

  • Schnell an den Markt gehen anstatt eine halbe Ewigkeit im stillen Kämmerlein werkeln
  • Proof of Concept, um festzstestellen, ob die eigene Idee tatsächlich funktioniert
  • So schnell wie möglich einen positiven Cash-Flow erreichen

Deshalb lohnt es sich, sich mit dem Konzept des Pretotypings vertraut zu machen.

Der Grundgedanke dahinter ist „Fake it before you make it“ und ermöglicht es, ein Angebot vorzutäuschen, obwohl es das noch nicht gibt – oder nur eine gut aussehende Hülle.

Eng verknüpft damit ist das MvP, das Minimal Viable Product.

Ein MvP ist bereits ein richtiges Produkt. Es ist jedoch auf die allernotwendigsten Funktionen runtergebrochen, die dem ein Nutzer einen Mehrwert hat.

So schlank und minimal wie möglich ist hierbei der Grundsatz, um so schnell wie möglich an den Markt zu gehen.

Mehr Insights findest Du in meinem Artikel zum Pretotyping.

Bootstrapping: Lieber die Finger davon lassen

Es gibt auch Fälle, in denen Bootstrapping nicht in Frage kommt.

Wer im E-Commerce Bereich ein Lager braucht und seine Ware vorfinanzieren muss, schiebt schnell mehrere 10.000 Euro vor sich her.

Das gleiche Bild ergibt sich für Ideen, die teure Ausstattung benötigen wie Maschinen oder eine aufwendige Inneneinrichtung von Ladenflächen. Ein möglicher Ausweg hierfür ist, bei jemand anderem zum Start hin mit aufzuspringen und bestehendes Equipment mitzubenutzen.

Wer zum Start gebootstrapt hat, muss dies natürlich nicht für immer machen.

Obwohl die Firma profitabel ist, suchen manche später nach einem Investor für den nötigen Schub oder weil die Konkurrenz Druck macht.

Das sind jedoch sehr individuelle Entscheidungen und es kommt nicht zuletzt darauf an, welche Ziele Du mit Deiner Selbstständigkeit verfolgst.

Willst Du „nur“ unabhängig und frei sein oder soll Dein Business groß rauskommen?

Diese Start-Ups haben gebootstrapt!

Die Teekampagne

Die Teekampagne von Professor und „Entrepreneurship Guru“ Günter Faltin ist ein Klassiker und entstand bereits in den 80er Jahren. Die Teekampagne schaltet dabei die Zwischenhändler beim Teeeinkauf aus und bietet den Tee in größeren Mengen als üblich an. Dadurch kann gute Qualität zu „unschlagbar“ günstigen Preisen angeboten werden. Faltin hat das Gründen mit Komponenten geprägt. Dabei geht es darum, all das auszulagern, was nicht zu den eigenen Kernkompetenzen gehört – billiger, schneller und mit geringen Fixkosten. Dadurch sollen auch kleine Anbieter schnell groß werden können.

MyMüsli

MyMüsli kennt wohl jeder. Die Gründer haben ganz schlank in einer WG gestartet und mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen ihr Geschäft aufgebaut. Schon lange findet man MyMüsli, neben dem ursprünglichen Online-Angebot, in diversen Supermärkten. Es ist eine der großen Bootstrapping Erfolgsstories aus Deutschland. Zwar hat MyMüsli später Investoren an Board geholt, aber die komplette Startphase wurde aus eigener Kraft gestemmt.

Yolk

Julia Sorgel und Sebastian Munz gründeten die Firma Yolk und bauten unter dieser Dachmarke ihr Produkt mite auf. Bei mite handelt es sich um ein einfach zu bedienendes Tool zur Zeiterfassung. Am Anfang war es komplett kostenlos, um es zu etablieren. Erst später wurde es schließlich (zu einem immer noch sehr günstigen Betrag) kostenpflichtig. Die Gründer legten mit 15.000 Euro Eigenkapital und einem Gründerzuschuss in den eigenen 4 Wänden los.

Squarespace

Squarespace ist ein berühmtes Bootstrapping-Beispiel aus den USA. Anthony Casalena startete mit 20.000 Dollar im Jahr 2003 und war 3 Jahre lang der einzige Vollzeitangestellte in der selbst gegründeten Firma. Später entschied Anthony sich schließlich, doch eine Beteiligung einzugehen. Er sammelte 37,5 Millionen Dollar Venture Capital ein. Squarespace war zu dem Zeitpunkt bereits 7 Jahre am Markt und bereits nach einem Jahr profitabel.

Bootstrapping ja oder nein? Das hängt sehr stark von einem selbst und vom gewählten Geschäftsmodell ab. Wie stehst Du dazu – kommt Bootstrapping für Dich in Frage? Ist es vielleicht sogar das einzige spannende Modell, weil Du Dein Business zu 100% behalten willst?

5 Strategien zur Selbstmotivation
Du willst etwas ändern, aber weißt nicht wie?
In unserem GRATIS EBOOK zeigen wir Dir 5 einfache Strategien, mit denen Du Dein Unternehmer Mindset entwickelst.

Merken

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT