Management 3.0* bezieht sich auf die Management-Kultur des 21. Jahrhunderts, die im radikalen Gegensatz zu früheren Management-Methoden steht.

Bei Management 3.0 geht es um die theoretischen Grundlagen und praktische Umsetzung von agilem Management.

Agiles Management bezieht sich zwar auf das Management von Softwareprojekten und -Teams. Dadurch ist das Buch interessant für alle, die eine digitale Start-Up Idee verfolgen.

Allerdings ist Management 3.0 sehr bereichsübergreifend gehalten und ändert den Blickwinkel auf das Thema Management insgesamt, weshalb es sich auch für alle anderen lohnt.

Der niederländische Unternehmer und Management-Experte Jurgen Appelo, der sich selbst als Creative Networker bezeichnet, bezieht sich mit dem Begriff Management 3.0 auf die radikale Abgrenzung zu früheren Management Methoden. Denn streng hierarchische Methoden sind für das kreative Schaffen digitaler Produkte komplett ungeeignet.


 

Management 1.0 beschreibt laut Appelo einen starren Command & Control Managementstil mit festen Hierarchien und einem Top-Down Ansatz zur Entscheidungsfindung.

Management 2.0 gibt hier und da Kompetenzen an untere Ebenen ab und versucht die Komplexität digitaler Softwareprodukte durch ausgefeiltes Prozessmanagement zu erschlagen. Es handelt sich aber auch hierbei weiterhin um Top-Down Management.

Management 3.0 ist dagegen eng verknüpft mit dem agilen Management.

Agiles Management

Bei agilem Management werden in der Softwareentwicklung große Projekte nicht komplett durchgeplant, sondern einzelne Bestandteile innerhalb kurzer Zyklen umgesetzt.

Ein Softwareprodukt ist viel zu komplex und voller Ungewissheiten, um es im Voraus zu planen.

Neben den kurzen Zyklen, die jedes Mal neu geplant werden, liegt zudem der Fokus auf selbst organisierte Teams und der Ablehnung von starren Prozessen (ohne jedoch Prozesse generell abzulehnen).

Management 3.0 ist aber mehr als ein Buch über agiles Management, denn die gibt es bereits wie Sand am Meer.

Komplexität als roter Faden für modernes Management

Jurgen Appelo stellt nicht einfach irgendwelche Vorgehensmodelle dar – dafür gibt’s bereits genug andere Bücher.

Er bettet dagegen Agilität in einen größeren Kontext ein.

Als roter Faden zieht sich deshalb der Begriff der Komplexität durch sein Buch.

Komplexe Systeme lassen sich nicht überblicken, indem man es in ihre einzelnen Teile zerlegt und ebenfalls lassen sich keine exakten Prognosen über das Verhalten eines komplexen Systems in der Zukunft herleiten.

Appelo stellt heraus, dass digitale Produkte komplexe Systeme sind, ebenso wie das Unternehmen, welches dahinter steht. Auch der einzelne Mitarbeiter ist als Mensch ein komplexes System.

Und das ist der Grund, warum die Performance eines Command & Control Managements früher oder später zu schlechten Ergebnissen führt.

Ein Managementstil, der bei Fließbandarbeit noch gut funktioniert, bringt es für Digitalprojekte einfach nicht mehr.

Der Autor hängt dabei jedoch keinen realitätsfremden Vorstellungen an, dass man bestehende Organisationen einfach komplett ändert, indem sich alle Teams ab sofort selbst organisieren und das war es dann.

Gutes Management orientiert sich am Kontext

Die Einführung von agilem Management hängt ganz stark von der bisherigen Organisation und von den Teams selbst ab. Auf das „People Management“ und somit auf den Faktor Mensch kommt es an.

Nicht jeder Mitarbeiter ist gleichermaßen für volle Verantwortung geeignet, auch wenn es das Ziel ist, die Teammitglieder nach und nach dahin zu entwickeln.

So definiert Appelo verschiedene „Levels of Empowerment“, die den Grad der Selbstorganisation eines Teams angeben und für verschiedene Entscheidungskompetenzen unterschiedlich sein können.

Auf den Kontext kommt es an. Dabei kann in ein und der selben Firma ein Team eine höhere Stufe des „Empowerments“ haben und ein anderes noch stärker von den Entscheidungen des Vorgesetzten abhängen.

Als komplexe Systeme entwickeln sich Teams fortlaufend weiter, nichts ist starr.

Das ist eine der Schlüsselaussagen aus dem Buch. Lineares Denken ist veraltet.

In einem Umfeld, in dem „Knowledge Worker“ des 21. Jahrhunderts motiviert, innovativ und produktiv sein sollen, gewinnt man mit linearen Top-Down Managementansätzen keinen Blumentopf mehr.

Das Buch Management 3.0 ist sehr vielschichtig und bietet weitaus mehr, als ich hier beschrieben habe.

Anfangs war ich etwas skeptisch, ob sich Management 3.0 nicht doch als öde Fachliteratur erweist.

Die Sorge jedoch war unbegründet, denn es ist sehr flüssig geschrieben, beschreibt theoretische Grundlagen ausreichend, aber auch nicht zu tiefgehend. Gleichzeitig ist der Schreibstil sehr gelungen mit viel Witz und lässt gar nicht erst die Gefahr aufkommen, zu trocken zu sein.

Management 3.0* ist jedem zu empfehlen, der sich für modernes Management interessiert. Fokus des Buches ist zwar Agiles Management im Rahmen von Softwareprodukten. Der Ansatz ist jedoch so allgemeingültig, dass jeder etwas aus dem Buch mitnehmen kann.

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