Mit Amber Riedl, Gründerin von Makerist, haben wir in Teil 1 unseres PRENEUR Interviews über ihre Gründerstory im Spannungsfeld von Start-Up und Familie gesprochen. In Teil 2 sprechen wir mit Amber über Unternehmertum und was sie antreibt.



Hi Amber,

wir haben bereits über Deinen schwierigen Weg und die großen Herausforderungen als Start-Up Unternehmerin mit kleinen Kindern gesprochen. Was hat Dich persönlich angetrieben und motiviert, trotzdem auf diesem Weg zu bleiben und weiterzumachen?

Stichwort Start-Up & Kinder: die Diskussion um Arbeit und Kinder ist zum Teil wirklich eine Luxus-Diskussion. Wenn du ein Grundeinkommen brauchst, kommt sie gar nicht erst auf! Ich will ein erfülltes und interessantes Leben führen und ich will meinen Kindern etwas geben können – das meine ich nicht nur in der finanziellen Hinsicht – ich will ihnen als Vorbild dienen, in Sachen Durchsetzungskraft, Begeisterung für die eigene Idee und strategischem Denken.

Stichwort Selbstmotivation. Das “Entrepreneur Mindset” ist sehr wichtig, um sich selber motivieren zu können. Benutzt Du bestimmte Tools, um Deine Ziele und Visionen zu visualisieren? Gibt es Grundsätze nach denen Du lebst?

Ich glaube die wenigsten Entrepreneurs sind vom Geld motiviert. Vielmehr sind sie neugierig, engagiert und lernfreudig. Das beste Tool für mich ist der Austausch mit anderen Leuten. Wenn du deine Ideen beschreiben kannst, bist du schon auf einem guten Weg.

Wenn du etwas startest ist es wichtig für einen Moment alle Zweifel loszulassen. Du musst volle Kraft voraus fahren, am Besten mit dem unenschütterlichen Glauben, dass es funktionieren wird. Einfach nicht zweifeln.

Wie findest Du Ausgleich, wenn es mal stressig wird? Was machst Du zur Entspannung?

Das beste Mittel gegen Stress ist für mich Humor, insbesondere Ironie. Ich habe viele Freunde – auch mein Mann – die die Start-Up Szene gut kennen. Mit denen kann ich die absurdesten Erfahrungen und die skurrilsten Begegnungen teilen.

Kinder sind nicht besonders entspannend, aber sie zwingen dich, einfach mal das Iphone wegzulegen und im Moment anzukommen. Das ist so gesund. Wenn ich meine Jungs sehe, bin ich im Herzen einfach glücklich. Dann weiß ich das Stress vergänglich ist, dass er manchmal einfach verfliegt. Zur Entspannung ist für mich Yoga angesagt oder ein Gang in die Sauna. Ansonsten liebe ich Amerikanische TV Serien.

Familie, Start-Up, Sport und vieles mehr: Wie organisierst Du Dich selbst und behältst den Überblick?

Wenn ich ehrlich bin, ist es das reinste Chaos, aber ein positives Chaos. Aktuell ist mein Leben sehr voll, aber nur mit dem was ich will . Ich entscheide mich für das alles. Mein Mann und ich sprechen uns täglich ab, um die Familie zu organisieren. Ich habe eine tolle Babysitterin und ein super Netzwerk von Freundinnen mit Kindern.

Beim Sport bin ich längst nicht mehr so verkrampft wie vorher. Yoga muss nicht immer in einem Studio sein, sondern kann auch mal in der Wohnung oder mal auf dem Spielplatz passieren. Da bin ich gar nicht schüchtern. Und sonst kann ich wärmstens Google Calendar empfehlen und meinen Taschenkalender “Ein guter Plan”.

Wie wichtig ist lebenslanges Lernen für Dich? Wie bildest Du Dich weiter und integrierst Lernen in Deinen Alltag? Gibt es bestimmte Messen, Konferenzen oder Events, die Du besuchst?

Klar, lebenslanges Lernen ist einen Thema und ich bekomme dazu ständig neue Impulse, sei es über mein Netzwerk oder meine Mitarbeiter. Konferenzen und Events finde ich auch wichtig, aktuell habe ich dafür leider nicht die Zeit. Was ich aber mache, was sich auch super in meinen Alltag integrieren lässt, sind Podcasts. Ich bin ein großer Fan von Gimlet Media aus NewYork – die produzieren die spannensten Themen. Beim Podcast Startup, kann ich mich totlachen! Das sind alles die Themen aus der Start-Up-Welt, die nie angesprochen oder abgebildet werden, zum Beispiel “How to divide an imaginary cake” über die Verteilung der Shares. Oder “Disorg Chart” über starkes Wachstum und HR. Alles mit Humor und Ironie – perfekt für mich. Um up to date zu bleiben mit Technik-Themen, höre ich den Podcast ReplyAll – auch von Gimlet Media. Und um mich auf Finanzierungsrunden und Investorengespräche vorzubereiten höre ich gern in 20minuteVC rein.

Viele angehende Preneure haben das Problem, einfach mal loszulegen. Sie haben vielleicht Ideen, aber schaffen es nicht anzufangen. Was sind Deine Tipps, um den nächsten Schritt zu gehen, “den Arsch zu bewegen” und tatsächlich mit einem Projekt zu starten?

Besprich deine Idee mit vielen Leuten und hol dir Feedback. Sei offen, deine Idee öfter mal zu ändern, sie zu verfeinern, bevor sie überhaupt beginnt. Überleg, ob du es allein wagen willst, oder lieber gemeinsam mit anderen Leuten, die auch andere Kompetenzen mitbringen.

Genau so wichtig wie die Idee, ist das Geschäftsmodell. Ein Projekt ohne ein gutes Modell wird nicht lange laufen. Her musst du dir Gedanken machen: wie sieht Erfolg aus, welche KPIs sind wichtig?

Viele haben Angst vor dem Scheitern. Was bedeutet Scheitern für Dich und wie sollte man aus Deiner Sicht damit umgehen?

Wir sind als Menschen sehr von der Angst gesteuert – das ist so reaktionär. Wenn wir Entscheidungen aus Angst treffen, sind die meist irrational. Das Problem ist auch, dass wir und viel zu sehr mit unserem beruflichen Erfolg identifizieren. Dabei sind wir doch viel mehr als das, was wir beruflich machen. Wir können mit jeder Entscheidung neu ja oder nein sagen. Wenn es in einer Firma oder einem Konzept nicht mehr funktioniert, ist es meist besser Raum für Neues zu schaffen.

3 Bücher, die jeder Preneur gelesen haben sollte?

– Thinking, Fast and Slow – Daniel Kahneman
– I Have America Surrounded: The Life of Timothy Leary – John Higgs
– The Dip: A Little Book That Teaches You When to Quit (and When to Stick) – Seth Godin

3 Dinge, die Du unbedingt mal machen willst oder Orte, zu denen Du reisen willst?

1. Ein Landsitz in der Uckermark oder in den Feldberger Seenplatten: Wir träumen davon eine alte Scheuen zu restaurieren – ganz rustikal. Freitagabends geht’s mit den Kids dann immer raus in die Natur – der perfekte Ausgleich zum alltäglichen Stadtleben.
2. Ich finde die Idee mit der Familie eine Rundreise über einen ganzes Jahr zu machen sehr spannend. Das wäre dann weniger ein Urlaub, sondern vielmehr eine Entdeckungsreise.
3. Meine nächste Geschäftsidee hat eine starke soziale Komponente: etwas in die Richtung Müllreduzierung. Abfall wie Plastiktrinkflaschen oder ToGo-Kaffeebecher regen mich wirklich auf!

Amber, vielen Dank für das Interview. Wir drücken Dir die Daumen für Makerist und die weitere Zukunft. Gibt es noch etwas, dass Du unseren Lesern mit auf dem Weg geben willst?

Man glaubt immer, dass andere die Antwort haben. Dabei stimmt das meist nicht, das scheint nur so, durch viel Selbstvertrauen und manchmal einem großen Ego. Wenn du an deine Idee glaubst, dann setz sie um – der Glaube reicht!

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Hi, ich bin Eric und einer der beiden Gründer von PRENEUR.DE. Mit PRENEUR.DE will ich Gründungsbegeisterten und Selbstständigen eine spannende Anlaufstelle bieten. Ich selbst bin derzeit neben meinem Hauptjob als Sidepreneur selbstständig. Wenn ihr mehr erfahren wollt, schaut hier vorbei.

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