Jeder, der ein Unternehmen gründen will, steht erst einmal vor einer Wand an offenen Fragen, die einen zu erschlagen droht. Bei nebenberuflichen Gründern wird das aufgrund der knappen Zeit noch deutlicher.

Wie mit wenig Zeit und Geld etwas auf die Beine stellen? Wollen Kunden mein Produkt überhaupt? Wie vermarkte ich es am besten?

Diese Fragen stellen sich alle: Völlig egal, ob Du nun Autorendienste an den Mann oder die Frau bringen willst, eine App entwickelst oder ein eigenes Produkt unter eigener Marke herausbringst.

Es ist auch unabhängig davon, ob Du einfach „nur“ Deinen Lebensunterhalt mit Deinem Business bestreiten willst oder das nächste große Ding am Start-Up Himmel rausbringen willst.

Schnell, kundenorientiert und mit wenig Kapital eine Idee umsetzen ist eine Kunst und DER Erfolgsfaktor für die eigene Selbstständigkeit. Die Methode Lean Startup ist genau hierfür gedacht: Firmen gründen auf Speed mit dem Kunden im Fokus!

Happy Coffee: Lean Startup als Nebenbusiness

Bevor ich zu den schnöden Definitionen von Lean Startup komme, will ich mit einem Beispiel anfangen. Es ein Beispiel, mit dem sich viele identifizieren können und eines, welches das Mindset hinter Lean Startup anschaulich beschreibt.

Es handelt sich um den Kaffee Online-Shop Happy Coffee von Christian Häfner, der ebenfalls die Rechnungs- und Buchhaltungssoftware Fastbill gegründet hat.

Happy Coffee wurde von Häfner nebenberuflich während seines früheren Angestelltenjobs gegründet.

Um möglichst schlank zu starten, wurden erst einmal nur eine Kaffeesorte und eine Verpackungsgröße angeboten. Eigenes Investment: 2.500 Euro.

Um die Hypothese zu evaluieren, dass der Kaffee angenommen wird (oder eben nicht), wurden Freunde und Bekannte aufmerksam gemacht sowie Werbung geschaltet.

Der Kaffee wurde tatsächlich gekauft, das Interesse war da! Aber die Marge ging für Werbekosten drauf und somit refinanzierte sich das Business zwar, aber unterm Strich blieb nichts übrig.

Deshalb musste nun mit verschiedenen Marketingkanälen experimentiert werden. Es wurden nun mehrere Performance Marketingkanäle ausprobiert, um Kunden einzukaufen.

Strategieschwenk im Marketing

Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass über jeden Kanal die Kundenakquise zu teuer war.

Somit entschied sich Häfner, langfristig einen günstigen Besucherstrom mittels SEO (Suchmaschinenoptimierung) aufzubauen und den Direkteinkauf von potentiellen Kunden aufzugeben.

SEO kann gut funktionieren, braucht aber Zeit. Somit wurde erst einmal nur passender Content für die langfristige SEO-Strategie aufgebaut und der Verkauf von Kaffee eingestellt.

Das änderte sich erst wieder als ein stetiger hoher Traffic für Suchbegriffe wie „Bio Kaffee“ über das eigene Online Kaffee-Magazin generiert wurde.

Um nicht direkt neuen Kaffee einkaufen zu müssen, wurden erst einmal Landingpages erstellt, auf denen der Kaffee angepriesen wurde. Dem Kunden wurde ein Rabatt von 10% auf die Erstbestellung angeboten, wenn er sich in eine Liste als Kaufinteressent einträgt.

Dadurch konnte das Kundeninteresse ganz simpel getestet werden, ohne auf gut Glück neuen Kaffee einkaufen zu müssen.

Das Interesse war groß genug und daher stand die Entscheidung nun endlich fest, neuen Kaffee zu bestellen.

Damit der Aufwand für Logistik und für den Checkout (Kauf und Bezahlung) extrem niedrig bleibt, wurde nun alles über Amazon im Rahmen von Amazon FBA (Fullfilment-by-Amazon) abgewickelt.

Zusätzlich wurde die Produktpositionierung entsprechend des Kundenfeedbacks weiter optimiert und ausschließlich Bio Kaffee angeboten.

Mittlerweile gibt es bei Happy Coffee wieder einen eigenen Online Shop als weiteren Verkaufskanal neben Amazon. Aber auch hier wurde der Checkout ausgelagert, um unnötigen Aufwand zu sparen. Realisiert wird der Kauf für den Kunden über Shopify.

Happy Coffee ist ein tolles Beispiel, wie ein Projekt nebenberuflich „lean“ gestartet werden kann und durch ständiges Lernen, Optimieren und nötige Kurswechsel zum Erfolg geführt wird.

Lean Startup: Woher kommt die Methode?

Die Methode Lean Startup stammt von dem amerikanischen Unternehmer und Blogger Eric Ries.

Ries hat unter anderem die Firma IMVU gegründet, ein Social Network mit 3D Avataren. Dabei hat Ries für IMVU zu Beginn keine große Finanzierung gesucht, sondern in 6 Monaten einen MVP (dazu später mehr) veröffentlicht. Er hat ebenfalls auf extrem schnelle Entwicklungszyklen und ständiges Nutzerfeedback gesetzt, um zu liefern, was der Kunde haben will.

Berühmt wurden Eric Ries und seine Methode durch das Buch The Lean Startup, das im Jahr 2011 veröffentlicht wurde.

Als Vorläufer gilt Lean Manufactoring, das von Toyota stammt und auf schlanke Prozesse, Eliminierung von unnützem Overhead und sehr enge Beziehungen zu Zulieferern setzt.

Die 7 Kernprinzipien von Lean Startup

Mit Lean Start-Up sollte sich jeder beschäftigen. Auch und gerade, wenn das eigene Business noch ganz am Anfang steht.

Die Grundprinzipien sind dabei nicht besonders schwer zu verstehen.

Die Umsetzung muss man jedoch immer wieder für sich selbst prüfen. Schnell geht etwas unter und man fällt zurück in ineffiziente Muster, die mehr Arbeit verursachen als nötig und den Kunden aus den Augen verlieren.

#1 Minimal Viable Product

Ein MVP ist die minimalste Version eines Produkts, die ausreicht, um die eigenen Business Hypothesen zu bestätigen oder um festzustellen, dass etwas am Konzept geändert werden muss.

Nick Swinmurn, der Gründer von Zappos (weltweit größter Online-Shop für Schuhe), hat folgendes gemacht: Er hat Bilder von Schuhen in Schuhgeschäften gemacht und die Bilder online gestellt. Wenn ein Paar Schuhe gekauft wurde, hat er dieses selbst zum vollen Preis im Laden gekauft und an den Kunden versendet. Der Start von Zappos ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man etwas (in dem Beispiele Schuhe im Internet verkaufen) ganz simpel ausprobieren kann.

Mehr Insights über das Testen von Produktideen findest Du in meinem Artikel über Pretotyping.

#2 Continuous deployment

Dieser Punkt bezieht sich vor allem auf Softwareprodukte. Hierbei geht es darum, dass kontinuierlich neuer Code released wird.

#3 Split Tests

Beim Split Testing geht es um sogenannte A/B Tests. Was kommt besser an? Der „Kaufen“ Button auf Deiner Webseite rechts oben in Rot oder doch ganz unten in Blau? Das geht auch in der Offline-Welt: Heute wird in Deinem mobilen Kaffeestand Kaffee A verkauft und morgen Kaffee B. Welche Sorte kommt im Schnitt besser bei den Kunden weg?

#4 Sinnvolle KPIs (Key-Performance-Indicators)

Zur Auswertung der Performance des eigenen Geschäfts, braucht man eine Menge Zahlen. Welche davon Sinn machen und welche nicht, steht auf einem anderen Blatt. Das hängt sehr vom Business ab. Ein sehr guter Vorschlag sind die Pirate Metrics.

#5 Pivot

Ein Pivot meint einen Strategieschwenk, bei dem bisherige Annahmen durch neue Abnahmen abgelöst werden. Das Beispiel von Happy Coffee passt perfekt rein. Der Direkteinkauf über verschiedene Marketingkanäle hat nicht funktioniert, weshalb ein kompletter Schwenk im Marketing nötig wurde.

#6 Innovationsbilanz

Mit der Innovationsbilanz sind das Tracken und Auswerten von Zielvorgaben gemeint. Werden Meilensteine erreicht? Welche Priorität hat welche Aufgabe? Welche Konsequenzen kann man aus bisherigen Entwicklungen ziehen?

#7 Bauen – Messen – Lernen

NachdeBuid Measure Learn, Bauen Messen Lernenm ein MVP fertig ist, geht die weitere Entwicklung im Zyklus Build – Measure – Learn weiter.

Es geht darum, in kurzen Abständen etwas zu umzusetzen. Danach wird gemessen, wie erfolgreich es war. Und im letzten Schritt geht es darum herauszufinden, was man gelernt hat und die Outcomes in den nächsten Zyklus einfließen zu lassen.

Die Grafik gibt den Kreislauf sehr gut wieder. Natürlich muss es sich nicht unbedingt um „Code“ handeln beim Schritt von Build zu Learn. Es kann auch etwas anderes sein.

Lean Startup: Der Megatrend

Zum ersten Planen eigener Geschäftsideen eignet sich übrigens perfekt die Business Model Canvas. Schnell verschiedene Ideen durchspielen und ins Machen kommen, ohne erst einen riesigen Businessplan zu schreiben.

Es gibt auch eine leicht abgewandelte Variante der Canvas, die sich Lean Canvas nennt. Dazu jedoch in einem kommenden Artikel mehr.

Lean Startup ist ein Megatrend in Sachen eigenes Business!

Erfolgsbeispiele von Firmen, die auf Lean Startup setzen, gibt es viele. Noch mehr gibt es jedoch, die den Trend bislang verpennt haben.

Setzt Du bereits auf Lean Startup und hat es Dir Vorteile (oder sogar Nachteile) gebracht?

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