In unserem heutigen Preneur Insight sprechen wir mit Prof. Dr. Günter Faltin, Hochschullehrer für Entrepreneurship, Gründer der Teekampagne und erfolgreicher Buchautor des Entrepreneurship-Klassikers Kopf schlägt Kapital.


 

Hallo Herr Prof. Dr. Faltin,

es ist uns eine große Freude Sie in unserem heutigen Preneur Insight über Ihre Erfahrungen und Sichtweisen bzgl. Entrepreneurship und Gründertum befragen zu dürfen. Sie sind der vielleicht bekannteste Kopf, wenn man in Deutschland an Entrepreneurship denkt. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen und auf die Idee gekommen, in diesem Bereich einen Arbeitsbereich aufzubauen? Wollten Sie schon früh selbst einmal Unternehmer werden?

Ich las auf der Schule schon gern von Henry Ford, Andrew Carnegie oder Joseph Schumpeter. Nicht als Unterrichtsstoff, sondern unter der Bank. Die Beschäftigung mit Ökonomie galt zu meiner Zeit als etwas Anrüchiges, ja Unanständiges. Dabei konnte ich mir kaum etwas Spannenderes und Lehrreicheres vorstellen. Natürlich habe ich dann Ökonomie studiert, doch im Studium war das Fach, was ich als so spannend kennengelernt hatte, höchst trocken und langweilig, vollgestopft mit Mathematik und abstrakten Modellen. Als ich Hochschullehrer wurde, wollte ich vor allem die Vermittlung des Stoffes attraktiver machen. Wie das geht? Indem man selbst den Gegenstand aus eigener Erfahrung kennenlernt. Ich, Unternehmer werden? Dieser Satz ging mir damals nur schwer über die Lippen. Wie sollte das gehen? Brauchte man dafür nicht ein Patent und viel Kapital? Aber es kam dann ganz anders, als ich selbst gründete.

Vom Professor aus dem Hörsaal und dann selbst zum Gründer. Sie wurden bekannt durch Ihre Teekampagne. Was hatte es damit auf sich und wodurch wurde sie so erfolgreich?

Man ist als Hochschullehrer nicht überzeugend, wenn man nur Theorie kennt. Also beschloss ich, mit meinen Studenten ein Unternehmen zu gründen. Erfolgreich wurde die Teekampagne durch ein exzellentes unternehmerisches Konzept. Wir haben mehrere Standbeine – Qualität des Tees, Chemierückstandsanalysen, Fair Trade, Preis-Leistungsverhältnis. So konnten Fehler – und wir machten zu Beginn eine Menge Managementfehler – abgefedert werden. „In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung“ sagt Leonardo da Vinci. So halten wir es auch bei der Teekampagne. Wir verkaufen nur eine einzige Sorte Tee, Darjeeling – dadurch können wir unseren Fokus auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung unserer Alleinstellungsmerkmale konzentrieren.

Wie genau ist der Weg von statten gegangen und wie lange hat dieser Prozess vom ersten Gedanken daran bis zum ersten Verkauf gedauert?

Die Gründung der Teekampagne geschah nicht über Nacht. Ich habe einige Jahre gebraucht, bis das Konzept so weit ausgereift war, dass ich wusste: Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Sie fragen, wie es losging: Nun, auf vielen Reisen in Entwicklungsländer war mir aufgefallen, dass Produkte wie Kaffee, Bananen, Zucker, Tee bei uns ungefähr zehnmal mehr kosten als dort. Ich fragte mich: Was macht die Produkte bei uns derart teuer? Und warum war gerade Tee in Deutschland exorbitant teuer, auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Wie sind Sie bei der Ideenrecherche vorgegangen? Wie sind Sie ausgerechnet im Teehandel gelandet? Kannten Sie sich in diesem Bereich schon gut aus?

Nein, ich hatte vom Teehandel überhaupt keine Ahnung. Aber ich habe angefangen, Informationen darüber zu sammeln. Nach eingehender Recherche stellte sich heraus: Teuer machen den Tee die zahlreichen Stufen des Zwischenhandels und die handelsüblichen Kleinpackungen. Also, den Zwischenhandel umgehen und kostengünstigere größere Packungen anbieten? Das schien mir sinnvoll. Aber warum tat das niemand? Weil es gar nicht funktioniert, als normaler Teehändler, der viele hundert Teesorten anbietet, selbst Tee zu importieren. Dafür muss man nämlich eine hohe Menge abnehmen, die für ein kleines Ladengeschäft viel zu groß ist. Aber mit nur einer Sorte Tee ist der Direktimport und damit das Ausschalten des Zwischenhandels möglich.

Es gibt nichts, was nicht jeder andere auch hätte tun können, um die Teekampagne so zu gründen, wie ich es getan habe.

Stichwort „Kopf schlägt Kapital“: Wie viel Geld hat der Aufbau der Teekampagne denn wirklich gekostet? Hätte das jeder Gründer ohne großes Kapital umsetzen können?

Es gibt nichts, was nicht jeder andere auch hätte tun können, um die Teekampagne so zu gründen, wie ich es getan habe. Auch die Anfangsinvestition war nicht übermäßig hoch: Es waren unter 10.000 Deutsche Mark.

Sie haben die Zwischenhändler von der Erzeugnis bis zum Verkauf ausgeschaltet. Klingt eigentlich erstmal einfach. Warum tun sich dennoch so viele schwer damit, auf solche Lösungen zu kommen?

Weil es bedeutet, mit bestehenden Konventionen zu brechen. Abschied zu nehmen von der Konvention, Tee in Ladenlokalen zu verkaufen und ein breites Sortiment an Teesorten anzubieten, Kleinpackungen zu streichen, aber offen über Chemierückstände zu informieren. Es bedeutet, traditionelle Formate radikal in Frage zu stellen und neu zu denken. Das fällt vielen Menschen schwer. Wir sind generell sehr in dem verhaftet, was wir vorfinden und tendieren dazu, dies zu optimieren. Dabei ist die kreative Zerstörung der viel innovativere Weg.

Sie behaupten, dass jeder ein erfolgreicher Entrepreneur werden kann und das mit begrenzten Mitteln. Was bedeutet Gründen in Komponenten?

Früher brauchten Sie für eine Unternehmensgründung viel Kapital, heute ist das Konzept wichtiger. Außerdem müssen Sie nicht mehr alles selber machen, sondern können sich die Dienstleistungen, die Sie brauchen, dazukaufen. Ich nenne das Gründen mit Komponenten. Sie konzentrieren sich auf Ihre Idee und Ihr Konzept, für Produktion, Rechnungswesen oder Logistik beauftragen Sie externe Profis. Professionelle Komponenten kosten zwar auch Geld, aber Sie brauchen deutlich weniger Kapital, als wenn Sie alle Bereiche eines Unternehmens selbst aufbauen würden. Außerdem sind Sie viel flexibler. Und schon die Erkenntnis, nicht alles selbst können oder mühsam lernen zu müssen, ist für viele ein Befreiungsschlag.

Die Teekampagne ist 1985 entstanden. Die Digitalisierung hat seitdem ganze Märkte umgewälzt und viele Märkte wurden und werden “disruptet”. Was hat sich dadurch für Entrepreneure und für den Ansatz “Gründen in Komponenten” geändert?

Gründern wird suggeriert, sie müssten Alleskönner sein, sich im Rechnungswesen, in der Finanzierung gleichermaßen auskennen wie mit Management, Marketing, Personalfragen, Arbeitsrecht, Vertragsrecht, Steuerrecht. Mit Banken sollen sie verhandeln können, mit Kunden und mit Lieferanten. Die Mitarbeiter sollen sie führen und die Öffentlichkeitsarbeit gestalten. Die Bilanz müssten sie verstehen und auch das Controlling. Dabei ist das wichtigste, dass Gründer neue Trends und Veränderungen im Markt rechtzeitig erkennen, ihr unternehmerisches Konzept immer wieder auch neuen Marktbedingungen anpassen. Sie müssen ihre Ideen den eigenen Mitarbeitern plausibel machen und sie damit begeistern können. Sie müssen ihr Unternehmen führen. Hier kommt der Gedanke des Gründens aus Komponenten ins Spiel. Er baut auf der Überlegung auf, unternehmerisches Handeln unter zwei ganz unterschiedlichen Aspekten, nämlich Entrepreneurship (Wie kommt das Neue in den Markt?) und Business Administration (Wie organisiere und verwalte ich ein Unternehmen?) zu betrachten. Heute sind beide Aufgaben derart umfangreich geworden, dass sie nur noch schwer von Gründern gleichzeitig zu erfüllen sind. Dies erhöht die (bisher geringen) Überlebenswahrscheinlichkeiten von Neugründungen ganz erheblich.

Statt zum überarbeiteten Alleswisser und Alleskönner werden zu wollen, ermöglicht es dem Gründer, sich auf sein Geschäftsmodell zu konzentrieren. Es sind fast keine Investitionen mehr erforderlich; damit entfällt die aufwändige Suche nach Kapitalgebern. Der Gründer arbeitet hoch professionell – und das von Anbeginn an. Variable Kosten treten im Grundsatz nur auf, wenn auch wirklich Bestellungen eingehen. Finanzierungsaufwand und Risiken reduzieren sich für den Gründer ganz erheblich. Im Vergleich zu den konventionellen Formen können Gründungen rascher, einfacher und professioneller (also mit besserer Qualität) erfolgen.

Heute geht es um Themen wie Kommunikation, Identität, Anerkennung, aber auch um so etwas wie Selbstwirksamkeit, ja Selbstverwirklichung.

Sie sagen, dass Abwrackprämie, Automobilbau & Co. nicht zukunftsweisend sind in einer Postindustriellen Gesellschaft. Was verstehen Sie unter der Postindustriellen Gesellschaft und was bedeutet das für die Zukunft unserer Wirtschaft?

Im postindustriellen Zeitalter haben sich die gesellschaftlichen Werte längst weg von Basisbedürfnissen hin zu kulturellen Werten verschoben – dies spiegelt sich auch in den Bedürfnissen der Käufer wider. Heute geht es um Themen wie Kommunikation, Identität, Anerkennung, aber auch um so etwas wie Selbstwirksamkeit, ja Selbstverwirklichung. Rufen wir uns in Erinnerung: Die erste Phase der wirtschaftlichen Entwicklung deckte die Grundbedürfnisse. Es folgte die Phase des Sicherheitsdenkens, es war die Zeit der Banken und Versicherungen. Jetzt befinden wir uns in Phase drei: Die momentan erfolgreichsten Unternehmen haben den Fokus auf Kommunikation. Nicht zufällig sind Firmen wie Google, Facebook oder Twitter die an der Börse am höchsten bewerteten Unternehmen. Fokussieren wir doch auf die nächste Stufe. Wir müssen also herausfinden, was wir im Bereich Identität und Anerkennung unternehmen können, wie wir den Menschen bei der Selbstverwirklichung helfen können. Das heißt aber auch, dass in einer postindustriellen Gesellschaft Ideen und Konzepte eine weitaus größere Rolle spielen als früher.

Knowledge Worker des 21. Jahrhunderts sind generell sehr selbstbestimmt und stellen hohe Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. Wie sollte eine Unternehmenskultur des 21. Jahrhunderts aussehen, die Kreativität und Innovation fördert?

Die Mitarbeiter müssen in ihrer Tätigkeit Sinn erkennen können. Sie müssen die Ziele ihres Unternehmens verstehen und bejahen. Da reicht es nicht, nur mehr Umsatz machen zu wollen. Wenn ich als Mitarbeiter eines Start-ups seine Ziele teile, werde ich mitdenken und mitdiskutieren wollen. Das ist in der Unternehmenskultur der großen Konzerne selten der Fall.

Wirtschaft und Gesellschaft in Ländern wie USA oder Israel gelten als viel innovativer im Vergleich zu Deutschland und ein eigenes Start-Up zu gründen hat dort ein höheres Ansehen. Woran liegt das und was können wir in Deutschland und Europa lernen?

Eine lebendige Startup-Szene ist oftmals in Ländern zu beobachten, deren Umfeld eher von Unsicherheiten geprägt ist. Israel ist dafür ein Beispiel. Es ist nun einmal so, dass in der Realität des Marktes Entscheidungen immer unter Unsicherheit getroffen werden. In einem sicheren, gesättigten Umfeld fällt es schwer, den Schritt zum Entrepreneur zu machen. Meist wird erwartet, dass ein gut funktionierendes Beschäftigungssystem neue Arbeitsplätze generiert. Es verwundert also nicht, dass in Ländern, die von Unsicherheit geprägt sind, nicht nur das Vermögen, in Unsicherheit zu agieren größer ist, sondern auch die Bereitschaft dazu. Wir müssen bei uns einfach lernen, dass die komfortablen Zeiten vorbei sind und es viele Probleme gibt, die wir als Entrepreneure anpacken können und müssen.

Was halten Sie von Geschäftsmodellen wie sie Rocket Internet umsetzt. Funktionierende Ideen kopieren, schnell und mit viel Kapital exekutieren und dann hochskalieren?

Ich halte von dieser Art der Unternehmensgründung nicht übermäßig viel. Rasche Marktdurchdringung mit viel Venture Capital, Schnelligkeit und den Glauben daran, dass das das Wichtigste am Entrepreneurship sei – naja. Entrepreneurship eröffnet doch ganz andere Möglichkeiten. Wir können intelligenter wirtschaften. Den wachsenden Problemen unserer Zeit können wir mit überzeugenden, tragfähigen Unternehmenskonzepte begegnen, die Lösungen sind und nicht neue Probleme aufwerfen oder bestehende verschärfen. Ganz sicher benötigen wir nicht den zwanzigsten Lieferdienst. Solche Gründungen fragen nicht nach Inhalten. Warum machen wir uns nicht mehr Gedanken darüber, wie wir die anstehenden Probleme lösen können? Ich setze meine Hoffnung auf Entrepreneure, die als Problemlöser fungieren und ziehe dabei bewusst Personen wie Künstler, Außenseiter oder engagierte Mitmenschen ein: Wir sind das Kapital. Wir müssen selbst in den Ring steigen; müssen selbst unternehmen. Wirtschaft ist etwas viel zu wichtiges, als dass wir sie allein den Ökonomen überlassen dürfen.

Ich kenne eine Reihe von Gründern, bei denen erst die zweite oder dritte Gründung richtig erfolgreich wurde.

Risiko gehört für Entrepreneure mit dazu. Was raten Sie jemanden, der mit seiner Idee gescheitert ist? Gab es auch für Sie ein unternehmerisches “FuckUp”, durch das Sie selber eine Menge gelernt haben?

Ich halte nichts davon, das Scheitern zu verharmlosen. Wenn man mit einem gut durchdachten Konzept startet, Komponenten als professionelle Dienstleister einsetzt und VOR der Gründung den Proof of Concept macht, sinkt das Risiko eines Scheiterns enorm. Scheitert man aber doch, sollte man diese Erfahrung nutzen, erneut zu gründen. Ich kenne eine Reihe von Gründern, bei denen erst die zweite oder dritte Gründung richtig erfolgreich wurde.

Mit der Webseite entrepreneurship.de haben Sie eine Online-Universität für Entrepreneurship gegründet. Was bieten Sie dort angehenden Gründern genau an und welche Themengebiete werden behandelt?

Der Entrepreneurship Campus ist eine virtuelle Community mit zwei Präsenzphasen, dem Labor für Entrepreneurship und dem Entrepreneurship Summit. Der Kern ist ein E-Learning-Angebot, das kostenlos zur Verfügung gestellt und als Kurs durchgeführt wird. Das Format besteht aus Online-Trainingsmodulen, die individualisiert von Interessenten wahrgenommen werden können. Darüber hinaus wird dieses Angebot für Gründer durch eine umfangreiche Auswahl von Texten, Podcasts und Videos auf der Website des Campus, www.entrepreneurship.de, ergänzt.

Ab Oktober 2016 können sich Interessenten für ein Jahresprogramm anmelden, in dem sie durch unsere verschiedenen Angebote geführt und begleitet und zusätzlich durch Workshops und Themenabende bei der Entwicklung seines unternehmerischen Konzepts unterstützt werden. Der Campus zeigt Wege auf, wie man systematisch aus einer Anfangsidee ein ausgereiftes und in allen Aspekten durchdachtes Business Modelle entwickelt. Dabei kommen eigens entwickelte Methoden und Techniken wie Funktion statt Konvention, Neue Sichtachsen legen, Mehrfachnutzung, Denken in Komponenten, Proof of Concept zum Einsatz.

Das große Highlight dabei ist der jährlich stattfindende Entrepreneurship Summit. Dieser wird bereits seit 2001 durchgeführt und findet dieses Jahr am 8. und 9. Oktober in Berlin statt. Wie ist die Idee für diese Veranstaltung entstanden? Wie hat sie sich in den letzten 15 Jahren entwickelt? Und auf was können sich angehende Gründer bei der Entrepreneurship Summit in diesem Jahr freuen?

Der Entrepreneurship Summit, der seit Bestehen der Stiftung 2001 eine stetig wachsende Teilnehmerzahl verzeichnen kann legt den Fokus auf der Erarbeitung eines tragfähigen, ausgereiften Unternehmenskonzepts. Die Teilnehmer sollen befähigt werden, konzept-kreativ zu gründen, Alleinstellungsmerkmale  zu entwickeln  und „Gründen mit Komponenten anzuwenden“.

Wir wollen die Teilnehmer ermutigen, den Fokus richtig zu setzen. Vom eigenen Potenzial auszugehen. Stimmig zur Person zu gründen. Wir wollen damit auch diejenigen Menschen ansprechen, die keinen BWL-Hintergrund haben. Potenzielle Gründer, denen es vor Themen wie Rechnungswesen graust. Wir brauchen Menschen, die zukunftsfähig denken und Probleme angehen, statt nur dem Gewinnmaximierung zu betreiben, und das egal mit welchem Produkt.

Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Jahr als Keynotespeaker Jakob von Uexküll, den Gründer der Right Livelihood Foundation, die den Alternativen Nobelpreis vergibt, und Prof. Harald Welzer, renommierter Vordenker in Sachen Ökologie, gewinnen konnten. Beide leben die Philosophie, die wir mit dem Summit darlegen wollen und setzen sie in eigenen Initiativen um.

Wenn Sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, sehen Sie viele Bereiche, in denen es enormes Verbesserungspotential gibt.

Zum Abschluss noch eine Frage: Stellen Sie sich vor, Sie wachen am nächsten Tag auf. Sie haben Ihre Professur, alle Anteile und sämtliches Kapital verloren. Sie haben nichts mehr außer Ihrem Netzwerk, Ihren Erfahrungen und Ihrem Wissen. Wie würden Sie vor allem in den nächsten 12 Monaten vorgehen, um erneut als Entrepreneur erfolgreich zu werden?

Wenn Sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, sehen Sie viele Bereiche, in denen es enormes Verbesserungspotential gibt. Wir verschwenden Ressourcen, produzieren und nutzen viele Produkte, die nicht intelligent und auch nicht nachhaltig sind.

Ich würde ein Produkt wählen. Recherchieren. Wie kann ich das Produkt verbessern? Mit welchen Inhaltsstoffen? Mit welchen Verfahren? Einen Fabrikanten ausfindig machen. Das Produkt in guter Qualität herstellen lassen. Dann würde ich es an meine Freunde und Bekannten weitergeben. Preiswert. Viel preiswerter sogar, als die herkömmlichen Anbieter. Das kann ich, weil ich die Marketingkosten spare. Weil ich nicht fremde Menschen bewerben muss, was hohen Aufwand erfordert, sondern meinen Freunden und Bekannten etwas sehr Günstiges anbiete. Nicht den Freunden ein Produkt aufschwätze und eine Prämie dafür kassiere.

Ich sage also meinen Freunden und Bekannten, dass ich ab sofort etwas habe, das man bei mir preiswerter kaufen kann als draußen in den Läden, ja sogar im Supermarkt. Dass ich mir das Produkt sehr genau angesehen habe, dass ich aufwendig recherchiert und den günstigsten, auch vorzeigbaren Hersteller ausfindig gemacht habe. Wenn ich wirklich ernsthaft gearbeitet und ein gutes Produkt herausgefunden habe, dann wird es sich fast wie von selbst ergeben, dass meine Freunde und Bekannten am Arbeitsplatz darüber sprechen und mein Käuferkreis auf diesem Weg immer größer wird. Ich nenne das Freundes-Ökonomie. Und genau nach diesem Prinzip ist auch die Teekampagne entstanden. Ich tue etwas außerordentlich Günstiges für meine Freunde und lasse sie daran teilhaben.

Vielen Dank Herr Prof. Dr. Faltin für das tolle Interview. Haben Sie abschließend noch einen Tipp für angehende Gründer?

Bleiben Sie nicht allein, sondern suchen Sie sich Sparringspartner. Man braucht ein Gegenüber. Jemanden, der konstruktiv mitdenkt, um aus einem Einfall oder einer Anfangsidee ein wirklich tragfähiges Ideenkonzept zu erarbeiten. Heute ist die Qualität des Business Modells ein entscheidender Faktor für den Erfolg.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT