In der Kategorie „Preneur Insights“ wollen wir Dir von Zeit zu Zeit Einblicke in die Welt unterschiedlicher Preneure liefern. Das kann in unterschiedlichen Formaten passieren, und kann ein Interview sein oder ein geschriebener Erfahrungsbericht des jeweiligen Preneurs.

Zum Start wollen Eric und ich in der Artikelserie „Road to PRENEUR.DE“ Dir genauere Einblicke in unser Unternehmerdasein bieten und dabei auch auf alle Höhen und Tiefen eingehen, die wir bis heute als Preneure erleben durften.


 

Nun war es also soweit. Mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag war der Verkauf des eigenen Babys, dem ersten eigenen unternehmerischen Großprojekt, beschlossene Sache und fünf Jahre harte Arbeit mit vielen Höhen und Tiefen fand sein Ende.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit und doch kam es mir wie gestern vor als Eric, ich und zwei meiner besten Freunde – Alex und Thomas – uns dazu entschlossen haben unser erstes Unternehmen zu gründen.

Eric und ich haben uns vier Jahre zuvor im Studentenwohnheim kennen gelernt. Er als Student der Angewandten Informatik und ich als Student der Wirtschaftswissenschaften. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und haben schnell gemerkt, dass wir mit dem Drang der Selbstständigkeit auf einer Wellenlänge lagen.

So dauerte es nicht lange, dass wir viele Abende im Studentenwohnheim zusammen saßen und ausgiebig über die verschiedensten Geschäftsideen brainstormten. Von einem Nachtlieferdienst für Kiosk- und Tankstellenartikeln über einem Portal für Erlebnisgeschenke (damals waren Portale wie Jochen Schweizer und mydays bei weitem noch nicht so groß und bekannt wie heute), bis hin zum Verkauf von Cocktails in Dosen und einer Cocktail-Lounge war alles dabei.

Doch die ersten Jahre bestanden nur aus Träumerei. Immer, wenn wir geplant hatten das Ganze intensiver anzugehen, bekamen wir Zweifel und fanden immer wieder Gründe dafür nicht zu starten. Es könnte ja so viel schief gehen. Ansätze wie „Lean Start-Up“ und einfach mal ganz klein anzufangen, kannten wir nicht. Wir sahen nur die großen Gefahren und die Konkurrenz, die es immer wieder geschafft hatten uns einzuschüchtern.

Gleichzeitig hatten wir noch nicht das nötige Preneur-Mindset, um vom „Reden“ zum „Machen“ zu kommen. Andere Dinge waren an einem Tag doch wieder wichtiger, am Tag darauf hat die Faulheit gesiegt und so ging es weiter. Der Wille war noch nicht da, um loszulegen und die eigene Vision Realität werden zu lassen.

So blieben wir in unserer Traumwelt. Da war es ja auch schön und gemütlich. Seine Komfortzone musste man nicht verlassen. Es konnte uns nichts passieren und so verbrachten wir Monat um Monat in der heilen Welt des Wantrepreneurs.

Die Entfernung ist unwichtig. Nur der erste Schritt ist wichtig.

Marquise du Deffand

Nach meiner 4-wöchigen Sprachreise nach Malta saßen Eric und ich eines Abends wieder zusammen und waren auf der Suche nach der nächsten Geschäftsidee. Eric hatte kurz zuvor ein Auslandssemester in Südkorea verbracht. So kamen wir auf das Themengebiet des kulturellen und sprachlichen Austauschs.

Eric fand die Idee des Tandempartners sehr interessant. Dabei bietet man selber eine Sprache als Lehrer an und möchte im Gegenzug selbst eine andere Sprache erlernen. Nun sucht man sich einen sogenannten Tandempartner, der diese Sprachkombination genau aus der anderen Perspektive lehren bzw. erlernen möchte. Somit kann man sich gegenseitig dabei helfen, die jeweilige Sprache zu erlernen.

Meine Erfahrungen auf der Suche nach einer passenden Sprachreise hatten gezeigt, dass der Markt an Sprachreisen und Sprachschulen sehr unübersichtlich war. Es war nicht leicht das Angebot an Sprachreisen zu sichten und ein für sich passendes Angebot zu finden.

Aus diesen beiden Ansätzen entstand die Idee eines allumfassenden Sprachportals, auf dem man nicht nur einen Tandempartner finden sollte oder jede einzelne Sprachschule auf der ganzen Welt, nein es sollten sich auf der Plattform auch alle professionellen Sprachlehrer dieser Welt einfinden und darüber hinaus sollte das Portal einen großen E-Learning Bereich a la Babbel erhalten.

Dass wir uns damit überfordern und eine Spezialisierung auf eines der vielen Themen wesentlich besser war, als zu versuchen so viele Themen unter einem Dach zu vereinen, sahen wir erst einige Monate später.

Eine neue Idee war auf jeden Fall geboren und diesmal herrschte aus irgendeinem Grund ein anderer Antrieb. Das Problem diesmal war nur, dass Eric mittlerweile sein Studium fertig und einen Job in Frankfurt angefangen hatte. Trotzdem ließ die Idee uns nicht mehr los. Erst recht nicht, als ich meinen besten Freunden von dieser Idee berichtet hatte und auch sie auf einmal Feuer und Flamme waren, bei diesem Projekt dabei zu sein.

Also gingen wir es an. Aus der Ideenschmiede des Unialltags sollte auf den letzten Metern vielleicht doch noch eine konkrete Umsetzung erfolgen. Die Voraussetzungen hatten sich durch Erics Job und Entfernung drastisch verschlechtert, aber das war uns egal. In jeder freien Minute skypten wir zusammen und pendelten an Wochenenden hin und her, um an der Idee und einer ersten Version eines Businessplans zu arbeiten.

Aber wie genau sollte das ganze jetzt weiter gehen? Die Idee als Businessplan war skizziert. Soweit waren wir vorher noch nie gekommen. Bis auf die Idee des Nachtlieferdienstes, wo wir zumindest schon aktiv Einkaufkonditionen bei Brauereien und Großhändlern eingeholt hatten, sind wir niemals über die Träumerei hinaus gekommen. Jetzt musste es irgendwie weiter gehen. Aber wie? Geld war keins vorhanden. Eric als IT-Berater in der Softwareentwicklung war durch seinen Job nahezu ausgelastet. Wie soll man da nebenbei so ein Großprojekt programmieren? Jeder Softwareentwickler, der nur ansatzweise solch ein Projekt geplant hat, weiß wie lange ein Programmierer in Vollzeit brauchen würde, um sowas zu realisieren.

Auch ich stand mittlerweile kurz vor meinem Uniabschluss und war gerade dabei meine Diplomarbeit zu schreiben. In diesen Tagen fand bei uns auf dem Unicampus die jährliche Bonding-Messe statt. Eine Firmenkontaktmesse auf der Absolventen Kontakte zu großen Firmen aufbauen können um so einen Fuß in das Berufsleben zu können. Also machte ich mich zusammen mit Thomas, der auch kurz vor seinem Abschluss stand, auf zur Messe.

Doch was dort geschah sollte alles verändern und musste Schicksal sein … Fortsetzung folgt 🙂

Learnings
✓ Vom Träumen ist noch keiner Unternehmer geworden
✓ Der erste Schritt ist der Schwierigste
✓ Es kommt immer anders als man denkt
 

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