Alle Peneure, die sich selbstständig machen wollen, stehen vor der Frage, welche Rechtsform die beste für ihr Unternehmen ist. Es gibt verdammt viele unterschiedliche Rechtsformen für Firmen, dazu kommt noch die Möglichkeit, das Unternehmen im Ausland anzumelden. Wer soll da durchblicken?

Ich gehe deshalb nur auf die wichtigsten Rechtsformen ein, von denen aber garantiert für 90% aller Neu-Preneure die Richtige dabei ist. Alle anderen Optionen sind eher etwas für spezielle Anforderungen. Wer sich noch nicht gut mit dem Thema Rechtsformen auskennt, sollte sich deshalb erst einmal nur mit den folgenden beschäftigen und nur bei Bedarf weiter recherchieren. Schließlich soll die Übersicht Licht ins Dunkel bringen und nicht noch mehr Verwirrung stiften.


Rechtsform Kleingewerbe: Der einfachste Start als Solopreneur

Ein Kleingewerbe ist die wohl am einfachsten zu gründende Firma. Du gehst zum Gewerbeamt und meldest Dein Gewerbe an, das kostet ca. 20 €. Danach musst Du noch einen Fragebogen für das Finanzamt ausfüllen und es kann losgehen. Wählst Du die Kleinunternehmerregel, musst Du übrigens bis zu einem Umsatz von 17.500 € keine Umsatzsteuer abführen. In dem Fall hast Du keine Bürokratie mit dem Finanzamt, außer im nächsten Jahr eine Steuererklärung und eine Einnahme-/Überschussrechnung einzureichen.

Der große Nachteil ist die Haftung, die unbeschränkt ist. Davon darf man sich aber nicht zu sehr einschüchtern lassen, wenn man nicht gerade in einem Risikobereich tätig ist. Denn selbst wenn eine Abmahnung ins Haus flattert, hat man Zeit, das Problem zu beheben oder Einspruch zu erheben.

Wenn mit Waren gehandelt wird, vor allem wenn diese aus dem Ausland importiert werden, empfiehlt sich eine Produkthaftpflichtversicherung. Generell sind auch eine günstige Rechtsschutzversicherung und ggf. andere Arten von Haftpflichtversicherungen zu empfehlen. Man darf beim Thema Haftung auch nicht vergessen, dass selbst bei einer GmbH der Unternehmer und Geschäftsführer nicht komplett ohne Risiko ist. Als Preneur muss man ein gewisses Risiko tragen. Aber keine Sorge, es ist kalkulierbar.

Vorteile Kleingewerbe

  • Wenig Bürokratie, kaum Gründungskosten
  • Gewerbe kann problemlos wieder abgemeldet werden
  • Privatentnahmen möglich, d.h. bei Bedarf kann flexibel Geld entnommen werden, ohne sich ein fixes Gehalt auszahlen zu müssen

Nachteile Kleingewerbe

  • Unbegrenzte Haftung. Risiko lässt sich durch Versicherungen mindern
  • Wenn Du Großkunden ansprechen willst oder Dich in einem konservativen Umfeld befindest, schafft ein Kleingewerbe weniger Vertrauen

Rechtsform GbR: Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Die Rahmenbedingungen einer GbR entsprechen dem eines Kleingewerbes. Eine GbR wird gegründet, wenn Du Dich mit einem oder mehreren Partnern zusammen selbstständig machen willst. Zusätzlich brauchst Du einen Gesellschaftervertrag zur Gründung. Für diesen gibt es Standardvorlagen, die in den meisten Fällen ausreichen.

Ab ca. 500.000 € Umsatz wird aus einer GbR übrigens eine OHG (Offene Handelsgesellschaft). Hierauf gehe ich nicht näher ein, weil es für den Start nicht wichtig ist und viele Preneure bei einem solchen Umsatz längst in eine GmbH oder eine andere Kapitalgesellschaft umfirmiert haben.

Vorteile GbR

  • Wenig Bürokratie, kaum Gründungskosten
  • Gewerbe kann problemlos wieder abgemeldet werden
  • Privatentnahmen möglich

Nachteile GbR

  • Unbegrenzte Haftung für alle Gesellschafter. Risiko lässt sich durch Versicherungen mindern
  • Bei Großkunden oder einem konservativen Umfeld schafft eine GbR weniger Vertrauen

Freiberufler und Partnerschaftsgesellschaft

Diese Rechtsformen kommen nur für Angehörige der freien Berufe in Frage. Der große Vorteil im Vergleich zum Kleingewerbe ist, dass auch bei hohen Gewinnen keine Gewerbesteuer gezahlt werden muss. Ansonsten ist der Status als Freiberufler durchaus mit einem Kleingewerbe zu vergleichen.

Bei einer Partnerschaftsgesellschaft schließen sich mehrere Freiberufler in einer Gesellschaft zusammen. Auch hier sind Rechte und Pflichten ähnlich zur GbR bzw. dem Kleingewerbe. Es gibt außerdem einen Vorteil bei der Haftung. Normalerweise haften alle Gesellschafter gleichermaßen. Wenn aber einer der Partner einen Auftrag an Land gezogen hat und diesen alleine bearbeitet, kann die Haftung von den Partnern so beschränkt werden, dass nur derjenige haftet, der die Leistung erbringt.

Diese Tätigkeiten gehören zu den freien Berufen:

    • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom- Psychologen
    • Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte
    • vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte
    • Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen, hauptberufliche Sachverständige
    • Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnliche Berufe sowie Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher

Diese Liste ist nicht vollständig! Bei Musikern, Designern und Web-Designern ist es eine Grauzone. Am Ende entscheidet das Finanzamt, ob der Status als Freiberufler gewährt wird. Je nachdem wie die Kollegen in Deinem Finanzamt drauf sind, werden mehr oder weniger Berufe als freie Berufe akzeptiert.

Vorteile Freiberufler und Partnerschaftsgesellschaft

      • Wie Kleingewerbe und GbR
      • Keine Gewerbesteuer, auch nicht bei hohen Gewinnen
      • Wenn Auftragsbearbeitung getrennt ist, kann vereinbart werden, dass nur der jeweilige Partner haftet, der den Auftrag bearbeitet

Nachteile Freiberufler und Partnerschaftsgesellschaft

      • Wie Kleingewerbe und GbR

Rechtsform GmbH: Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Eine GmbH ist die beliebteste Kapitalgesellschaft. Eine GmbH ist eine juristische Person (wie alle Kapitalgesellschaften), weshalb die Gesellschafter nicht mit ihrem Privatvermögen haften. Doch es ist nicht so, wie manche es sich vorstellen: Wenn die GmbH neu ist und Du einen Kredit aufnehmen willst, werden die allermeisten Banken Dich trotzdem privat in die Rückzahlungspflicht nehmen. Außerdem haften Geschäftsführer bei Bilanzfehlern oder Insolvenzverschleppung.

Du kannst also nicht die Füße hochlegen, Kredite ohne Risiko aufnehmen und die Kohle rausfeuern 🙂

Dennoch stimmt es natürlich, dass eine GmbH im Allgemeinen vor Haftung schützt und das ist ein großer Vorteil.

Privatentnahmen sind dagegen nicht möglich und Du kannst Dir kein Geld flexibel entnehmen. Du zahlst Dir ein Gehalt aus und kannst das Gehalt nicht ständig ändern (1x pro Jahr ist natürlich in Ordnung), das wird sonst als versteckte Gewinnausschüttung gewertet und ist nicht erlaubt.

Tipp: Um ein zu hohes Fixgehalt zu umgehen, kannst Du ein niedriges Gehalt ansetzen und vertraglich eine erfolgsabhängige variable Komponente einfügen.

Bei Gründung der GmbH muss ein Stammkapital von 25.000 € hinterlegt werden. Es reicht, wenn zur Gründung mindestens 12.500 € eingebracht werden. Neben Geld können auch Sacheinlagen, die entsprechend eines Geldbetrages bewertet werde, eingebracht werden. Informiere Dich hierbei über die genauen Kriterien, falls das in Frage kommt. Dazu kommen noch weitere Gründungskosten wie die Notarkosten. Die weiteren Gründungskosten belaufen sich auf mindestens 1.500 €, eher mehr.

Nimm Dir einen guten Steuerberater, wenn Du selbst kein Experte bist. Die Anforderungen an die Buchhaltung sind deutlich höher als bei einem Kleingewerbe oder einer GbR. Dafür ist eine GmbH bei höheren Gewinnen steuerlich günstiger im Vergleich.

Vorteile GmbH

      • Geringere Haftungsrisiken
      • Steuervorteile (Körperschaftssteuer) bei steigenden Gewinnen
      • Höheres Vertrauen in eine GmbH am Markt

Nachteile GmbH

      • Viel mehr Bürokratie, gerade wenn die Firma noch klein ist
      • Hohe Gründungskosten
      • Keine Privatentnahmen

Die UG: Unternehmergesellschaft als Mini-GmbH

Die UG (Unternehmergesellschaft), oder auch Mini-GmbH, ist eine Kapitalgesellschaft, die nur eine Einlage von einem Euro als Stammkapital benötigt. Die UG ist mit der GmbH vergleichbar – nur, dass sie viel günstiger ist! Zusätzliche Gründungskosten wie die Notargebühren fallen bei der „Ein Euro GmbH“ natürlich an, jedoch gibt es bei bis zu drei Gründern vereinfachte Formalitäten.

25% des Jahresgewinns müssen bei der Mini GmbH als Stammkapital hinterlegt werden, bis eine Summe von 25.000 € erreicht ist. Sobald das geschehen ist, wird aus der UG eine GmbH.

Vorteile UG (Unternehmergesellschaft) / Mini GmbH

      • Wie GmbH
      • Geringe Gründungskosten bei der UG

Nachteile UG (Unternehmergesellschaft) / Mini GmbH

      • Wie GmbH
      • Bei Großkunden und in konservativen Märkten ist das Vertrauen in eine UG geringer im Vergleich zur „richtigen“ GmbH

Finger weg von ausländischen Rechtsformen

Ganz so allgemein kann man es natürlich nicht sagen, aber für die meisten Preneure lohnt sich keine ausländische Rechtsform. Nur in besonderen Fällen, z.B. nach einer Insolvenz, kann das sinnvoll sein.

Angenommen es wird eine englische Limited (Ltd.) gegründet und die Haupttätigkeit ist in Deutschland. In dem Fall muss eine Steuererklärung in Deutschland abgegeben werden und zudem ein Jahresabschluss in England. Dadurch entsteht zusätzliche Bürokratie, der Gründer bewegt sich zwischen zwei Rechtssystemen.

Das Stammkapital bei einer britischen Ltd. Beträgt 1 Pfund. Das war früher DER große Vorteil einer Limited. Durch die UG gibt es aber seit einigen Jahren auch in Deutschland eine günstige Alternative. Deshalb genau abwägen, ob eine ausländische Rechtsform für Dich Sinn macht.

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