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Wir waren nun soweit. Der Markteintritt war geschafft. Lingoschools präsentierte sich als Online Vergleich für Sprachschulen weltweit mit knapp 100 Sprachschulen online. Dazu gab es ein Backend, über das Beschreibungen, Bilder, Kurse, Unterkünfte und Preise gepflegt werden konnten. Der Markteintritt war viel später als ursprünglich gedacht und der Frust auf dem Weg dahin war groß. Aber egal, es war geschafft. Wir haben unsere eigene Firma gegründet und unsere Idee an den Markt gebracht.


 

Unser EXIST Stipendium lief kurz nach dem Launch von Lingoschools Anfang 2011 aus. Wir hatten nun eine Internetfirma, aber kein Geld. Das ist natürlich eine blöde Situation, aber wir waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr idealistisch und wollten es ohne einen Investor schaffen. Wir hatten zwar bereits erste Gespräche mit Investoren geführt, aber es war eher so eine Art Vorfühlen und wir hatten nicht die Absicht, einen Deal zu unterschreiben.

Um an Geld zu kommen haben wir zwei Dinge getan. Damit wir wenigstens kleinere Investments in die Firma tätigen zu können, haben wir ein Bankdarlehen aufgenommen.

Außerdem haben wir uns Nebenjobs und Projekte gesucht, um von etwas leben zu können. Ich habe als Freelancer im Bereich Softwareentwicklung, Projektmanagement und später zudem im SEO Bereich gearbeitet. Julian arbeitete sich im Rahmen von Lingoschools sehr stark in SEO und SEM ein und hat in dem Bereich auch Projekte angenommen.

Bei so vielen Nebentätigkeiten muss man aufpassen, dass nicht zu wenig Energie in die Firma fließt. Das hat öfter mal zu aufgeregten Diskussionen geführt, gerade wenn ein Vollzeitprojekt anstand und erst danach wieder mit Vollgas an Lingoschools gearbeitet werden konnte. Wir 4 haben uns jedoch eine offene Diskussionskultur bewahrt und konnten dadurch immer wieder eine gemeinsame Linie bewahren, ohne dass es zu große Streitereien gab.

SEO at its best

Wenn man Gründer von Internet Start-Ups nach den Marketingkanälen fragt, auf die sie zum Start setzen, ist SEO (Suchmaschinenoptimierung) oft ganz vorne mit dabei. Es ist auf den ersten Blick auch bestechend: Durch optimierte Texte und Aufbau von Backlinks auf die eigene Webseite gute Positionen bei Google erreichen und Traffic generieren – und das kostenlos!

Ganz so leicht, wie manche es sich vorstellen, ist es natürlich nicht. So haben wir schnell gemerkt, dass dieser vermeintlich kostenlose Kanal eine Menge Arbeit erfordert. Texte müssen geschrieben werden. Potentielle Linkgeber wie Unis müssen geschickt angesprochen werden, um nach Dutzenden E-Mails oder Telefonaten vielleicht einen kostenlosen Link abgreifen zu können.

In den Jahren 2011 und 2012 konnte der Linkaufbau noch ziemlich aggressiv angegangen werden. Später hat Google durch mehrere Algorithmusupdates ein zu offensives Vorgehen abgestraft, wovon auch wir später betroffen sein sollten. Vor 2013 ließ sich aber mit sehr aggressiven Strategien ein schnelles Wachstum des SEO Traffics erzielen und das haben wir für uns genutzt.

Um noch mehr Backlinks aufzubauen, die für SEO so wichtig sind, begannen wir einfache Webseiten zu gefragten Themen als Satellitenseiten aufzubauen und Artikel sowie Links im Tausch gegen Backlinks für Lingoschools anzubieten. Das war allerdings nicht mehr für unser Gründerteam zu stemmen, schließlich mussten auch die weitere Programmierung unseres Sprachreiseportals, der Vertrieb, die Integration zusätzlicher Sprachschulen und weitere Marketingkanäle vorangetrieben werden.

Was machen Internetunternehmer, die nicht viel Geld haben, aber Unterstützung in Form von Manpower brauchen?

Richtig, sie suchen Praktikanten! Das haben wir auch getan und konnten so nach und nach über 30 Satellitenseiten aufbauen, diese optimieren und danach zum Linktausch nutzen. Weil wir nur wenig zahlen konnten, haben wir sehr flexible Praktikumsmodelle in Teil- oder Vollzeit angeboten und haben viele Studenten gefunden, die Bock drauf hatten, bei einem Start-Up mit jungen Leuten zu arbeiten. Die Stimmung im Team war sehr gut und der Start-Up Spirit ungebrochen. Ein weiterer Motivationsschub war, dass erste Artikel in der Presse über uns erschienen und wir mehr Aufmerksamkeit bekamen.

Ohne Geldregen geht’s nicht weiter

Auch wenn wir nach wie vor motiviert waren, machte uns die Frage Sorgen, wie wir das nötige Wachstum ohne Kapital generieren können. Zwar wurde unser Webportal professioneller und größer, Anfang 2013 kamen wir in den Bereich von 200 Sprachschulen weltweit, mit denen wir Verträge abgeschlossen hatten, und die Google Rankings gingen steil nach oben. Es reichte aber trotzdem nicht. Im Jahr 2011 vermittelten wir Sprachreisen im Wert von ca. 100.000 €, davon blieb ein Provisionsumsatz von ca. 20.000 € bei uns hängen. Im Jahr 2012 war es ca. das Doppelte.

Wir finanzierten unsere Gehälter zwar durch Projekte und Nebenjobs, dennoch reichte es hinten und vorne nicht, um in die Firma zu investieren und unser Geschäft zu skalieren. Außerdem zerrte der Mix aus Projekten und der Arbeit an Lingoschools an den Nerven. Ich habe gemerkt, dass ich immer weniger Energie hatte und den anderen ging es genauso.

Es war an der Zeit für eine ehrliche Abrechnung. Alleine würden wir es nicht packen. Wir brauchen einen Investor.

Ein strategischer Investor als Retter in der Not

Wir haben lange auf eigene Faust durchgehalten, im Nachhinein haben wir es zu lange alleine probiert. Aber es hatte auch einen Vorteil. Zwar schafften wir es nicht, das Geschäft schnell zu skalieren, aber der Unternehmenswert war trotzdem höher, als wenn wir direkt nach Markteintritt einen Kapitalgeber an Bord geholt hätten.

Wir polierten unseren Businessplan auf und fingen an Kaltakquise zu betreiben und stellten uns einem Investor nach dem anderen vor. Unser Businessplan war am Anfang noch zu konservativ. Viele größere VC Gesellschaften rieten uns, den Plan mit massiveren Wachstumszielen neu aufzustellen.

Einige glauben vielleicht, dass ein konservativer Plan bei Investoren besser ankommt, aber dem ist nicht so. Im Businessplan muss auf die Kacke gehauen werden, ohne es komplett zu übertreiben. Es empfiehlt sich zwei Pläne zu haben. Einen internen Plan, der einen Mix aus Worst- und Average-Case darstellt und einen Best-Case, der nach außen kommuniziert wird.

Wir wollten einen strategischen Investor für ein langfristiges Engagement bei Lingoschools. Wir wollten keinen VC, der den Unternehmenswert in 3 Jahren aufpoliert und dann den Exit anstrebt. Unser Ziel war es, Lingoschools nachhaltig aufzubauen und uns gleichzeitig ein hohes Maß an Freiheit zu erhalten.

Nach vielen Verhandlungsrunden stieg schließlich FORUM Media Ventures, die Venture Capital Sparte eines mittelständischen Verlags aus Bayern, bei uns ein. Im Juli 2013 gründeten wir endlich die Lingoschools GmbH mit FORUM Media als fünften Gesellschafter. Das alte Gefühl, alles erreichen zu können, war wieder da! Wir konnten nun endlich unser Business hochskalieren.

Mehr als drei Jahre war es her, dass wir in die Firmen-WG eingezogen sind. Jetzt war es an der Zeit für den nächsten Schritt. Das Bier floss zum letzten Mal in der WG in Strömen und wir waren alle im Flow und diskutierten über die Visionen, die wir mit Lingoschools verfolgten. Unser neues Büro von 150qm im Loft-Stil war gefunden und wir sahen das Ziel näher kommen, ein profitables Internet Business aufzubauen. Doch neue Schwierigkeiten sollten auf uns zukommen… Mehr dazu im nächsten Teil der Road to PRENEUR.DE!

Learnings
✓ Als Gründerteam braucht man eine offene Diskussionskultur, sonst können Streitigkeiten schnell das Unternehmen lähmen.
✓ Zeit ist Geld. Nicht zu lange mit der Investorensuche warten, wenn das Wachstum aus eigener Kraft zu gering ist.
✓ Vor Investoren muss man auf die Kacke hauen, ohne komplett abzuheben
✓ Investor ist nicht gleich Investor. Sei Dir im Klaren, ob Du den schnellen Exit suchst oder das Unternehmen langfristig aufbauen willst.
 

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