Hi Stephan,

In Teil 1 unseres Interviews hast Du uns schon von Deinem Unternehmen und von dem Projekt DeutschlandGourmet erzählt. Jetzt wollen wir ein bisschen mehr von Dir als Unternehmer erfahren. Wieso fasziniert Dich das Unternehmertum und die Realisierung eigener Projekte? Ist es die Freiheit, sein eigener Chef zu sein, oder sind es andere Gründe?

Ich denke in vielerlei Hinsicht sehr amerikanisch: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Meine Ideen konnte ich zu Beginn nur durch die Gründung einer eigenen Firma umsetzen. Die Freiheit ist hierbei etwas wunderbares, jedoch musste ich schnell feststellen, wie unternehmerfeindlich Deutschland ist. Davon habe ich mich im Gegensatz zu vielen anderen nicht unterkriegen lassen. Aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn du als 18 jähriger plötzlich eine Umsatzsteuervorauszahlung in Höhe von 25.000 Euro, zahlbar zur nächsten Woche, im Briefkasten hast, obwohl Du noch keinen Pfifferling verdient hast. Klar war das ein Formfehler meinerseits, aber vielleicht sollte der Staat sich über Menschen, die ihr eigenes Glück in die Hand nehmen und Arbeitsplätze schaffen auch einfach mal freuen.

Unternehmertum ist Freiheit – und Freiheit kostet – manchmal auch privates Glück.

Warst Du schonmal Angestellter? Könntest Du Dir in Zukunft (nochmal) vorstellen als Arbeitnehmer zu arbeiten? Wie müsste dafür der Job aussehen?

Nein, Angestellter war ich noch nie. Schon sehr früh habe ich ein Konzept für ein Kölner Micropayment-Unternehmen entwickelt – das kam gut an. Ich hätte hier schon mit Anfang 20 einen tollen Job haben können, jedoch haben mich andere Herausforderungen mehr gereizt. Eine Entscheidung, die ich im Übrigen keineswegs bereue.

Hast Du tägliche Routinen, die Dir dabei helfen produktiver zu sein? Hast Du z.B. eine bestimmte Morgenroutine?

Zu diesem Thema habe ich in anderen Interviews schon die spektakulärsten Antworten gehört. Nein, ich mache kein Yoga und nein, ich stehe auch nicht um 4.30 Uhr auf, um 20km Joggen zu gehen. Ich mache mir meinen Kaffee, esse eine Kleinigkeit, schaue Nachrichten, checke die E-Mails und fahre dann – manchmal im Oldtimer – auf die Arbeit – ich weiß, das ist ziemlich gewöhnlich.

Abends arbeite ich grundsätzlich produktiver als morgens – das werden die meisten von Euch kennen.

Wie schaffst Du es sonst produktiv zu sein, um Deine Ziele zu erreichen? Benutzt Du irgendwelche Task-Management Tools? Benutzt Du to-do Listen? Visualisierst Du Dir Deine kurz- und langfristigen Ziele?

Ich habe eine Menge Blöcke mit unserem Firmenlogo darauf drucken lassen. Hierauf definiere ich oftmals die täglichen Aufgaben und hake sie ab. Am Ende des Tages sieht der Block dann meistens so aus, wie am Morgen. Das ist normal, dann muss eine weitere Schicht eingeschoben werden. Abends arbeite ich grundsätzlich produktiver als morgens – das werden die meisten von Euch kennen.

Gibt es Persönlichkeiten, egal ob Unternehmer oder andere, die Dich inspirieren?

Richard Branson hat einen guten Job gemacht, aber auch viel Glück gehabt. Steve Jobs war der unbestrittene Marketing-König, wir haben ihm viele Innovationen zu verdanken. Es braucht schon einen Tim Cook, um dieses Erbe dem Erdboden gleich zu machen.

Ebenso Elon Musk, er scheint manchmal nicht von dieser Welt. Am Ende muss jeder seinen eigenen Weg finden, aber diese drei Herren können durchaus eine Inspiration darstellen. Biografien aller drei Unternehmer kann ich nur jedem ans Herz legen.

Die 3 besten Bücher (oder Blogs, YouTube Channels etc.) für Preneure?

Eben weil ich einen Großteil meines Lebens mit digitalen Medien verbringe, bevorzuge ich privat eher das gedruckte Buch. Hier lese ich gerade “Radikal führen” von Reinhard Sprenger, ein Buch das mir ein befreundeter Unternehmer ganz klassisch ausgeliehen hat, damit wir es nicht beide kaufen müssen. Weiterhin habe ich fast alle Richard Branson Bücher mit Vergnügen gelesen. “No dream is too high” von U.S. Astronaut Buzz Aldrin ist jüngst erschienen, ebenfalls ein recht lesenswertes Buch, das sich mit einer beeindruckenden Karriere im Generellen auseinandersetzt – schließlich waren bisher nur 12 Menschen auf dem Mond. Auch die “Last lecture” von Carnegie-Mellon Professor Randy Pausch ist ein überaus lesenswertes Buch.

Weiterhin lese ich Fachliteratur, beispielsweise über Elitenmarketing oder Spezialisierung, wobei mir Biografien eindeutig mehr Vergnügen bereiten.

Wir versuchen immer, angehenden Gründern die Angst vorm Scheitern zu nehmen und sagen, dass Fehler machen kein Scheitern ist. Was waren Deine größten Fehler als Unternehmer und wieso haben diese Dir sogar dabei geholfen heute da zu sein wo Du bist?

Vielleicht war ich beim oben genannten Punkt mit Youtube und den digitalen Medien zu voreilig. Es gibt diese wundervolle Steve Jobs Stanford Commencement Speech:

https://www.youtube.com/watch?v=UF8uR6Z6KLc

Sie war mir schon häufig eine große Inspiration. Jobs geht hierbei auch auf das Thema scheitern ein. Egal ob Musk, Jobs oder Branson. Manche werden charakterlich als zweifelhaft angesehen, das kann ich nicht beurteilen, da ich niemanden davon persönlich kenne. Gleichwohl ist es wohl eine überaus fordernde Aufgabe, wenn man für bis zu 50.000 Angestellte im eigenen Unternehmen verantwortlich ist oder echte Innovationen vorantreibt. Auch Gründer und Unternehmer sind nur Menschen.

Stell Dir vor von heute auf morgen wäre Dein Unternehmen pleite und alle Projekte weg. Du hättest keine finanziellen Reserven und nur Dein Wissen und die Kontakte aus den letzten Jahren als Unternehmer. Wie würde jetzt Dein Lebensplan für die nächsten 12 Monate aussehen?

Kein Problem, ich kaufe mir einen alten VW-Bulli und ziehe als Tagelöhner durch die Welt. Der Sprit ist ja ohnehin gerade recht billig.

Vielen Dank Stephan für das tolle Interview. Hast Du abschließend noch einen Tipp oder Rat an unsere Preneur-Community?

Ich nicht, aber jemand anderes:

If you live each day as it was your last, someday you’ll most certainly be right

Steve Jobs

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT