In den heutigen Preneur-Insights sprechen wir mit Unternehmer Stephan Marzi. Er ist Gründer der MIG Medien & Technologie GmbH, welche unterschiedliche Marken in den Bereichen Marketing, IT und Verlagswesen betreibt. Darunter befinden sich unter anderem eine Internet- und Werbeagentur, ein Hostinganbieter und das Online-Portal DeutschlandGourmet, welches mit mehr als 70.000 eingetragenen Restaurants zu den größten Restaurantportalen Deutschlands zählt.


 

Hi Stephan,

wie erwähnt betreibst Du unterschiedliche Projekte und Marken mit Deinem Unternehmen. Doch bevor wir genauer starten, erzähl uns doch mal wer Du genau bist und wie Du Unternehmer geworden bist!

Julian, ich habe schon zu Kindertagen mein eigenes Unternehmen gründen wollen, das war jedoch rechtlich sehr komplex. Daher musste ich bis zu meinem 18 Geburtstag warten. 2002 gründete ich dann parallel zur Wirtschaftsschule “Marzi InterMedia”, mein erstes Unternehmen, mein Baby. Ich bezog ein erstes kleines Büro, etwa 20qm, das ich mir von einer Tätigkeit als IT-Seminarleiter für eine Frankfurter Unternehmensberatung in Göttingen und Stuttgart finanziert habe. Damals haben wir Mitarbeiter in insolventen Großmöbelhäusern geschult.

In unserem ersten kleinen Büro entwickelte ich zusammen mit Sebastian Krull, der für mich als Freelancer arbeitete, Buchcover für Verlage und arbeiteten für eine namhafte Künstleragentur die TV-Größen vertritt – bis heute sind sie unser Kunde.

Gemeinsam mit Sebastian betreibe ich heute eine Firma in Düsseldorf – anexion deutschland | die Werbeagentur der Industrie.

Mit 22 hatte ich meine ersten Festangestellten, darunter einen Diplom-Informatiker, der bis heute bei uns arbeitet. Im Anschluss kaufte ich ein namhaftes Netzwerktechnik-Unternehmen aus der Region als Investment. Heute ist dieses Unternehmen Teil der MIG Medien & Technolgie GmbH.

2013 entwickelte ich mit einem Architekten Pläne für ein eigenes Firmengebäude auf einem großzügigen Grundstück bei Koblenz, 2014 erfolgte der Umzug. Das ist nun unsere “Base”.

Egal ob kleines Familienunternehmen oder Sternerestaurant – die Jungs stehen von morgens bis abends in der Küche, am Ende hagelt es oftmals Kritik von allen Seiten. Wir wollten den Restaurants eine Stimme geben

Werbeagentur, Hostinganbieter und dann ein Restaurantportal. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Die Werbeagentur gab es zuerst, sie war die Basis für eine finanzielle Existenz. Die wachstende Anzahl an Kunden machten solide Hostinglösungen unabdingbar, die regulären Provider waren uns zu steif, der Registrierungsprozess zu langatmig. Sonderwünsche konnten nur schwergängig umgesetzt werden, weswegen wir mit der Anmietung und Verwaltung eigener Server anfingen. Inzwischen vermarkten wir den Webspace auch an Kunden, die keine sonstigen Leistungen von uns beziehen. Wir sind mit der Entwicklung von Marzi Hosting überaus zufrieden – das war ein guter Schachzug damals.

Da wir inhouse die Kapazitäten hatten ein eigenes Internetportal zu entwickeln und zu hosten, starteten wir DeutschlandGourmet. Wir wollten eine Stimme für die Gastronomen schaffen, während konventionelle Kritikportale eher eine Stimme gegen die Gastronomen darstellen.

Egal ob kleines Familienunternehmen oder Sternerestaurant – die Jungs stehen von morgens bis abends in der Küche, am Ende hagelt es oftmals Kritik von allen Seiten. Wir wollten den Restaurants eine Stimme geben – und das ist uns mit über 70.000 eingetragenen Restaurants gut gelungen.

Restaurantportale gibt es mittlerweile einige. Was ist bei Deinem Portal anders als bei der Konkurrenz?

Im Prinzip gibt es keine Restaurantportale, sondern vielmehr Kritik- und Bewertungsportale. Restaurant-Kritik (nunmehr Yelp), TripAdvisor, Google – bei allen steht alleine die Bewertung im Vordergrund. Essen ist zweifelsohne Geschmackssache – und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Bewertungen sind rein subjektiv und machen nur einen geringen Teil einer Restaurantauswahl aus. Auf diesem Prinzip fußt DeutschlandGourmet.

Gastronomen können ihr Baby, ihr Restaurant hier vorstellen. Es gibt Galerien, die Möglichkeit Jobs, News und aktuelle Veranstaltungen zu posten. Man kann Speisekarten hochladen, die eigene Facebook-Seite integrieren – insg. ist DeutschlandGourmet nahtlos an die sozialen Medien, darunter auch Twitter, sowie Opentable angeschlossen.

DeutschlandGourmet ist ein unheimlich starkes Marketingtool für jeden Gastronom. Hier kann er zeigen, was er kann. Es macht uns besonders stolz, dass inzwischen auch die Restaurants nahezu aller namhaften Luxushotelketten DeutschlandGourmet aktiv nutzen.

Wieviele Leute arbeiten derzeit an DeutschlandGourmet? Hat das Projekt komplett eigene Mitarbeiter, die in Vollzeit daran arbeiten, oder wird es im Rahmen Deiner Werbeagentur neben anderen Kundenaufträgen mitbetrieben?

DeutschlandGourmet wird parallel zu unseren Kundenaufträgen betrieben. Wenn im Sommer bedingt durch die Urlaubszeit die Auftragslage ein wenig ruhiger wird, können wir dies mit DeutschlandGourmet kompensieren. Wir finanzieren uns hierbei durch Werbeeinnahmen und durch die kostenpflichtige Premiummitgliedschaft in Höhe von 54 Euro / Halbjahr.

DeutschlandGourmet wächst jedoch so schnell, dass es in Kürze ein eigenes Team ausschließlich für DeutschlandGourmet geben muss. Daher führen wir gerade zusammen mit einem namhaften Business Angel diverse Gespräche mit VC’s.

Wie habt Ihr am Start begonnen? Habt ihr noch vor dem Launch erstmal einige hundert Restaurants angeschrieben und eingetragen damit zum Start auch direkt Content auf der Seite war?

Als ich DeutschlandGourmet zusammen mit Daniel Stückrath gründete, hieß es noch EIfelGourmet – denn zunächst wollten wir nur einen kulinarischen Navigator für die Eifel machen. Die Nachfrage aus den anderen touristisch erschlossenen Gebieten wie z.B. dem Schwarzwald, sorgte dann dafür, dass wir insg. 11 Portale auf der identischen technischen Basis aufbauten. Alles wurde zentral von einem selbstentwickelten System gemanagt. Auch heute noch ist DeutschlandGourmet übrigens eine 100%ige Eigenentwicklung.

Später ließen wir dann alle Regionaldaten zu DeutschlandGourmet zusammenlaufen. Durch die Verwendung von Geokoordinaten und Location Based Services wurden die Regionalportale seit 2016 abgeschaltet – nun läuft alles über DeutschlandGourmet.

Ganz am Anfang verschickten wir Postkarten an Restaurants, schalteten Adwords, telefonierten – wir starteten den Vertrieb von der Pieke auf. Bis zu 30% zahlende Mitglieder hatte EifelGourmet am Ende – ein wirklicher Fabelwert der zeigt, dass sich Arbeit von der Basis aus lohnt. Wenn ihr mal 4.000 Briefe selbst gefaltet und eingetütet habt, tut euch das Kreuz ganz schön weh.

Der Standardeintrag ist für Restaurants kostenlos. Monetarisiert wird das ganze Projekt dann vor allem durch Premium-Einträge. Wieso sollte ein Restaurant auf DeutschlandGourmet ein Premium-Eintrag haben?

Geh’ ein Haus kaufen. Der Immobilienmakler wird Dir sagen: Lage, Lage, Lage.

So ist es auch bei DeutschlandGourmet: Premium-Mitglieder erhalten ein wesentlich besseres internes Ranking als Basismitglieder, d.h. sie werden wesentlich besser gefunden, häufiger angegklickt und erzielen einen deutlich höheren Traffic auf unserem Portal.

Weiterhin werden nur bei Premiummitgliedern die Anfragen für Hochzeiten, Geburtstage und Firmenfeiern direkt an den Gastronom durchgestellt. Die Basismitglieder erhalten einen Hinweis, dass nur Premiummitglieder diese Anfragen einsehen können. Auch rückwirkend ist dies möglich, wenn man Premiummitglied wird – sodass keinerlei Anfragen verloren gehen.

Wie wird das Geschäftsmodell aus kostenlosem Basis-Eintrag und kostenpflichtigen Premium-Abo in diesem Markt angenommen? Wie hoch ist eure Quote an Premium-Einträgen?

In den Regionalportalen hatten wir zwischen 15 und 30% Conversion Rate, bei DeutschlandGourmet starten wir die aktive Vermarktung gerade erst. Nach dem Launch der Version 2.0 Anfang des Jahres, mussten noch diverse Zusatzmodule entwickelt und Bugs gefixt werden. Weiterhin haben wir das Zahlungssystem verbessert: Mit unserem Partner Creditreform werden die Mitgliedschaften inzwischen vollautomatisch fakturiert. In Kürze werden wir den aktiven Vertrieb beginnen, dann wird sich zeigen, ob DeutschlandGourmet ebenso gute Conversion Rates wie die Regionalportale erzielen wird.

Wie sieht euer Vertrieb aus? Recherchiert Ihr deutschlandweit alle Restaurants und schreibt diese an? Habt ihr vielleicht sogar Außendienstmitarbeiter, die die einzelnen Restaurants abfahren und von einem (Premium-)Eintrag auf DeutschlandGourmet überzeugen wollen?

Wir haben den riesigen Vorteil, dass wir bereits 70.000 Kunden auf dem Portal haben. Diese Menschen kennen und schätzen unsere Marke. Natürlich ist es einfacher, hier etwas zu verkaufen als bei wildfremden Menschen. Wir entwickeln gerade ein Telemarketing-Vertriebskonzept zusammen mit einem Callcenter. Weiterhin werden wir die Nutzer per Newsletter über die Mehrwerte einer Premiummitgliedschaft in Kenntnis setzen. Im internen “MyGourmet”-Bereich wird jedes Restaurant zusätzlich darüber informiert. Jede Anfrage für beispielsweise eine Hochzeit ist unsere beste Werbung. Oftmals möchten Nutzer die Premiummitgliedschaft proaktiv erwerben. Der Abschluss erfolgt direkt über den gesicherten MyGourmet-Bereich. Wir fakturieren halbjährlich bzw. jährlich zu 9 Euro im Monat – voll steuerlich absetzbar. Jeder Gastronom der rechnen kann erkennt schnell, dass er damit nichts falsch machen kann.

unsere gigantische Bilddatenbank stellt ein großes USP gegenüber konventionellen Portalen dar. Da nicht der Gast sondern der Restaurantbetreiber diese Bilddaten hochlädt, sind sie von vorzüglicher Qualität. Nichts ist schlimmer, als mit einem Blitzlicht fotografiertes, angegessenes Gericht eines unbedarften Nutzers zu veröffentlichen – sowas möchte niemand sehen, vor allem der Restaurantbetreiber nicht.

Das überzeugendste Argument, welches ihr Restaurants liefern könnt, ist natürlich Traffic. Wie vermarktet ihr das Portal? SEO? SEA? Social Media? Andere Kanäle?

Wir nutzen Dienste wie Facebook und Twitter über eine automatisierte Schnittstelle sehr gern und häufig. Bewertungen und Neuigkeiten aus den  Restaurants werden hier automatisch übertragen. Weiterhin gibt es einen Newsletter, SEM/SEA ist zusammen mit einem potentiellen Investor in Planung.

Die gesamte Präsenz ist suchmaschinenoptimiert, hier haben wir große Fortschritte in der Version 2.0 erzielt. Insb. unsere gigantische Bilddatenbank stellt ein großes USP gegenüber konventionellen Portalen dar. Da nicht der Gast sondern der Restaurantbetreiber diese Bilddaten hochlädt, sind sie von vorzüglicher Qualität. Nichts ist schlimmer, als mit einem Blitzlicht fotografiertes, angegessenes Gericht eines unbedarften Nutzers zu veröffentlichen – sowas möchte niemand sehen, vor allem der Restaurantbetreiber nicht.

Wie sind die weiteren Pläne zum einen für DeutschlandGourmet, aber auch für Dein Unternehmen generell? Hast Du da Visionen für die Zukunft? Sind vielleicht sogar weitere Online-Portale in Planung?

Schuster bleib bei Deinen Leisten! Wir planen gegenwärtig keine weiteren Portale, da DeutschlandGourmet wirklich eine Menge Arbeit ist, sei es in Entwicklung oder Redaktion.

Wir sind eines der größten Restaurantportale in Deutschland und tauchen neben den Branchengrößen auf – dahinter stehen oftmals Milliardenkonzerne. Ich bin sehr stolz über unsere ausgezeichnete Positionierung – insgesamt sieht man, wie gut unser Konzept angenommen wird – insb. auch von den Gastronomen.

Vielen Dank Stephan für Deine Einblicke. In Teil 2 sprechen wir mit Dir über Dich als Unternehmer und Themen wie das richtige Preneur-Mindset.

 

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