Eric hat in Teil 2 der Road to PRENEUR.DE beschrieben, was für einen aufregenden Weg wir direkt zu Beginn unserer Ideenfindung durchlaufen sind. Durch die Zusage zum EXIST-Gründerstipendium konnten wir somit im Januar 2010 unser einjähriges Stipendium beginnen. In diesem Jahr sollten wir bereits so viel lernen wie wohl keiner von uns in seinen vier bis fünf Jahren Studentenleben zuvor.


 

Es war ein unglaubliches Gefühl. Es war Anfang Dezember und die Bestätigung kam per E-Mail. Alex war gerade bei mir zu Besuch im Studentenwohnheim als in meinem Postfach auf einmal die E-Mail vom Bundesministerium für Wirtschaft aufpoppte. Ich traute mich nicht direkt die E-Mail zu öffnen. Zu schwer lag noch die Absage einige Wochen zuvor im Magen.

Dann wagte ich doch ein Blick hinein und da stand es worauf wir alle gewartet und so drauf gehofft hatten: „Herzlichen Glückwunsch! Hiermit bestätigen wir Ihnen die Zusage zum EXIST-Gründerstipendium….“ Es hat sich besser angefühlt als Weihnachten und Geburtstag der letzten 5 Jahre zusammen. Alex und ich vielen uns in die Arme und wir mussten sofort Eric und Thomas Bescheid geben.

Doch viel Zeit blieb nicht mehr, denn die Förderung sollte schon Anfang Januar beginnen. Eric hatte ja bereits vorher Job und Wohnung gekündigt und auch bei mir waren die Tage im Studentenwohnheim gezählt, da meine mündliche Diplomprüfung im Januar vor der Tür stand und ich mit meinem Studium somit fertig war.

Alex hatte zu der Zeit in Köln studiert und mit Erhalt des Stipendiums entschied er sich das Studium auf Eis zu legen und nach Bochum zu kommen. Thomas hatte nur noch ein Semester bis zum Abschluss seines Studiums vor sich, also war es für uns alle klar, dass er parallel sein Studium noch fertig macht.

Der Startschuss für die Firmen-WG

Da Eric aus Frankfurt zurück nach Bochum kam, genauso wie Alex aus Köln, und ich mein Studentenwohnheim ebenfalls verlassen musste, entschieden wir uns dazu zu dritt in eine WG zu ziehen. Schnellstmöglich durchsuchten wir im Januar 2010 den Wohnungsmarkt in Bochum und fanden eine für uns perfekte Wohnung, die schön geschnitten war und uns genügend Platz bieten sollte.

Wir konnten direkt zu Beginn des Februars einziehen. Somit konnte das Start-Up Leben losgehen. Dabei war eine richtige Firmen-WG, die gleichzeitig auch Büro ist, am Anfang gar nicht geplant. Wir sollten im Rahmen des EXIST-Stipendiums eigentlich ein Büro an der Ruhr-Uni erhalten. Leider waren hier alle Kapazitäten voll, so dass uns kein Büro freigemacht werden konnte. Was also tun? Durch unsere neu gegründete WG und einem großen Wohnzimmer, entschlossen wir uns dazu, unsere WG in eine richtige Startup-WG umzufunktionieren.
Durch unser Stipendium standen uns ein paar finanzielle Mittel zur Verfügung. Also deckten wir uns mit den wichtigsten Ressourcen ein wie Schreibtische, Stühle, Telefon, Hard- und Software und machten aus dem Wohnzimmer ein Büro mit vier Arbeitsstationen.

Wir waren startbereit richtig loszulegen. Mit unserem Mentor an der RUB, den man für das EXIST-Stipendium benötigt, haben wir uns regelmäßig ausgetauscht. Darüber hinaus gab es ein paar weitere Auflagen. So musste man sich auch in verschiedenen Unternehmensbereichen fortbilden, was wir dankend angenommen haben und somit verschiedene Seminare in ganz Deutschland besuchen durften.

Parallel starteten weitere Gründerwettbewerbe wie dem Senkrechtstarter und dem ruhr@venture Wettbewerb, an denen wir ebenfalls wieder teilnahmen, um unser Netzwerk zu Coaches und Mentoren zu vergrößern. Außerdem hatten wir die Hoffnung, unser Startkapital etwas zu vergrößern, was uns auch im kleinen Maße gelungen ist. So konnten wir zwar keinen dieser Wettbewerbe gewinnen, aber mit Platz 3 und 4 konnten wir trotzdem ganz gut abschneiden.
Ein wichtiges Learning dieser Wettbewerbe ist das regelmäßige Pitchen der eigenen Geschäftsidee vor einer Vielzahl an Juroren, was uns im weiteren Verlauf noch sehr hilfreich sein sollte.

Somit bestanden die Monate Januar bis März daraus für meine Abschlussprüfung zu lernen, diese Ende Januar zu bestehen, eine Wohnung zu finden, in diese mit Sack und Pack einzuziehen, die Wohnung bürotauglich zu machen, Businesspläne zu schreiben, sich mit unserem Mentor auszutauschen und den genauen Start der Unternehmung zu planen.

Offiziell Unternehmer! – Die Gründung einer GbR

Im April war es dann soweit und wir gründeten eine GbR. Da das Geld nicht ausreichte, um eine GmbH zu gründen, und das für den Start auch überhaupt nicht notwendig war, entschieden wir uns für eine GbR. Die Risiken waren sehr überschaubar, so dass wir keine Angst bezüglich der privaten Haftung einer Personalgesellschaft hatten.

Dabei ist die Gründung einer GbR sehr einfach. Neben einem Gesellschaftervertrag, den alle Gesellschafter dieser GbR miteinander abschließen, benötigt man nur ein Gewerbe und die Anmeldung beim Finanzamt. Eine Eintragung ins Handelsregister ist nicht benötigt und auch steuerrechtlich und buchhalterisch läuft noch vieles einfacher als bei einer GmbH.

Thomas kam also jeden Tag zu uns in die WG und wir arbeiteten von morgens bis abends an unserem Projekt. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, drehten sich die Gedanken um das Projekt und man war wie in einem Rauschzustand an seinem Baby zu arbeiten.

Durch sein Studium hat Eric den ganzen IT-Bereich unter seine Fittiche genommen. In der eigenständigen
Programmierung eines solchen Großprojekts hatte er zwar auch keine Erfahrungen, aber durch seinen Job in Frankfurt konnte er schon auf viel Praxiserfahrung zurück blicken.

Durch mein Studium der Wirtschaftswissenschaften hatte ich mit Thomas zusammen den Finanz- und Controllingbereich inne und habe mich darüber hinaus mit Alex um den Aufbau des Marketingbereichs gekümmert. Thomas war zusätzlich noch für den Vertrieb zuständig.

Wobei gerade zu Beginn sich die ganze Arbeit auf zwei wesentliche Bereiche konzentrierte: Eric plante, organisierte und programmierte alles was mit der Webseite zu tun hat, sprich Datenbankstruktur, Backend und Frontend. Designelemente wie Logo und Webseitendesign haben wir uns dabei extern von einer Agentur erstellen lassen. Ich arbeitete bei der Konzepterstellung für die Entwicklung der Webseite mit. Außerdem begannen Thomas, Alex und ich mit der Texterstellung für die Webpräsenz und dem Befüllen der Datenbank mit Inhalten, die für die Webseite angelegt werden mussten, wie Bildverweise und erste Infos rund um die angebotenen Destinationen. Wir drei konzentrierten uns ansonsten voll auf den Vertrieb. Sprich so viele Sprachschulen wie möglich weltweit zu recherchieren und diese, ohne ein finales Produkt vorzeigen zu können, davon zu überzeugen auf unserem Portal abgebildet zu werden.

Das funktionierte wesentlich besser als gedacht. Wir erstellten eine pdf-Präsentation mit ersten Screenshots vom entstehenden Portal. Darüber zeigten wir die Vorteile auf, gingen auf die aktuelle Marktsituation ein und was unsere Vision war. Das ganze verpackten wir in einer kurzen E-Mail und verschickten diese an Sprachschulen auf der ganzen Welt. Schnell kamen die ersten Antworten per E-Mail oder Anfrufe zurück und wir waren endlich auch in der Außenwirkung bei potentiellen Partnern auf dem Radar des Marktes.

Projektmanagement for Dummies – Wenn die Zeitplanung kollabiert

Wie bei einem Businessplan muss man erst einmal lernen ein Projekt (vor allem in dieser Größenordnung) richtig zu kalkulieren und zu planen. Wie lange braucht man wohl, um eine so komplexe Webseite Online zu stellen, und wie lange dauert es dann nochmal bis die ersten Umsätze kommen?

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Die Komplexität des Marktes stellte uns beim Strukturieren und Programmieren von Datenbankzusammenhängen vor Kopfzerbrechen.

Die Zeit rannte unaufhaltsam und wir arbeiteten sehr hart daran, unser Projekt endlich launchen zu können. Doch umso tiefer wir in die ganze Materie der Sprachreisen abtauchten, merkten wir wie komplex nicht nur der Markt als solches ist sondern auch wie schwierig es war Sprachschulen einheitlich auf einer Webseite abzubilden. Nahezu jede Sprachschule hatte ihre eigene Art und Philosophie, die Preise und Saisons für Kurse und Unterkünfte zu bestimmen. So mussten eine Vielzahl an Spezialfällen im Backend programmiert werden, die das Gesamtprojekt immer komplexer machten. Im Pauschalreisemarkt gibt es Dienstleister, die Schnittstellen anbieten, über die man Preise und Infos rund um Hotels abrufen kann. Für Sprachschulen gab es das nicht, weshalb wir alles selber machen mussten.

Deadlines und Meilensteine mussten wir daraufhin ständig weiter aufschieben. Von unserem Plan Ende Juli eine Beta-Version Online zu stellen konnten wir uns schnell verabschieden. Das war eigentlich das Ziel, damit wir noch ein paar Monate durch das Stipendium abgefedert sind. Einen genauen Plan wie es nach dem Stipendium weiter gehen sollte gab es noch nicht. Es war klar, dass Geld benötigt wird, aber jetzt hatten wir viel zu viel mit der Umsetzung der Idee als solches zu tun.

War es lean direkt so ein ausgefeiltes Backend zum Start des Projektes zu entwickeln? Auf keinen Fall. Rückwirkend betrachtet haben wir hier sehr viel Zeit vergeudet. Wir wollten alle Preise der Sprachschulen vom Start weg genau abbilden, damit der Kunde bestmöglich informiert ist und auch eine direkte Buchungsanfrage stellen kann. Wobei das eigentlich Schwachsinn ist, da man im Markt der Sprachreisen eh keine Real-Time Buchungen durchführen kann. So muss die gebuchte Sprachschule immer erst überprüfen, ob Kurs und/oder Unterkunft frei ist. Es gibt keine Kontingentsplanung, die es erlauben würde in Echtzeit zu buchen. Das mag veraltet wirken, aber genau deshalb wollten ja in den Sprachreisenmarkt: Um ihn nach und nach zu professionalisieren. Für den Start hätte erst einmal eine sehr schlanke Lösung gereicht.

So wäre ein guter Lean-Ansatz gewesen jeder Schule zwar ein schönes Profil zu ermöglichen, aber alle Preise erst einmal nur statisch zu hinterlegen und dem Kunden eine Buchungsanfrage zu ermöglichen.. So hätten wir uns die ganzen Kalkulationen in der Software sparen und locker vier Monate früher launchen können. Die eigene Backend-Struktur wurde immer größer und komplizierter. Dadurch war es eigentlich auch schon unmöglich, dass die Sprachschulen ihr eigenes Profil auf unserer Webseite selbst pflegen – zumindest nicht ohne einen Relaunch des Backends. Ein Punkt, der uns langfristig noch sehr viele Ressourcen kosten sollte.

Die Wochen zogen ins Land und so sollte sich der ganze Prozess der Entwicklung der Webseite, die Vertragsverhandlungen und -abschlüsse mit über 80 Sprachschulen und dem Einpflegen aller relevanten Daten wie Bilder, Schul-, Kurs- und Unterkunftsbeschreibungen so wie Preise für alle Kurse und Unterkünfte bis zum Ende des Jahres hinziehen. Alleine das Einpflegen der Preise dauerte nochmal sehr lange. Bei 80 Schulen mit im Schnitt 10 Sprachkursen und 5 Unterkünften und Preisen auf wochenbasis für maximal 12 Wochen und unterschiedlichen Saisons kam man auf über 20.000 Preisdaten die manuell eingepflegt werden mussten. Hier hätten wir uns anfangs auf die wichtigsten Sprachkursarten konzentrieren sollen, das hätte noch einmal Zeit gespart.

Frohe Weihnachten! – Wir machen uns selbst das größte Geschenk

Dann war es endlich soweit. Eric war in den letzten Wochen vor Weihnachten dabei alle Bugs auszumerzen, die es gab, und auch die letzten Schuldaten waren endlich eingepflegt. Jetzt war es endlich so weit. Ein Jahr harte Arbeit stand hinter uns. Wir hätten niemals gedacht, dass es so lange dauern würde und auch so anstrengend wird. Nun konnte der Startschuss erfolgen.

Einen Tag vor Heiligabend war es soweit. Wir luden das komplette Projekt hoch. Wir waren online! Doch wie sollte es denn jetzt verdammt nochmal weiter gehen? Das Stipendium lief zum 31. Dezember aus und wir wären finanziell nicht mehr abgesichert. Mit den ersten Einnahmen kann man ja nicht von heute auf morgen rechnen, vor allem nicht als Lebensunterhalt für vier Personen.

So schön in dem Moment das Glücksgefühl auch war, so klar war es uns allen auch das ein verdammt hartes neues Jahr vor der Tür stehen würde und keiner von uns genau sagen konnte wo die Reise hingehen wird…

Learnings
✓ Das Leben in einer Startup-WG macht richtig Spaß, vor allem wenn man sein Business mit seinen besten Freunden gründet.
✓ Eine GbR zum Start reicht für viele Geschäftsideen völlig aus.
✓ Projekte mit Deadlines zu planen ist sehr schwierig. Man vergisst häufig Puffer für unerwartete Dinge einzuplanen und plant meist zu optimistisch.
✓ Für den perfekten Kundennutzen zu planen und optimieren ist gut und schön. Aber sinnvoller ist es mit einem nicht-perfekten Projekt, aber dafür wesentlich schneller, am Markt präsent zu sein. So kannst Du das Kundenfeedback direkt in die weitere Planung einfließen lassen.

 

 

 

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