In unserem heutigen Preneur-Insight sprechen wir mit Amazon FBAler Gil Lang. Er vertreibt erfolgreich ein Dutzend eigener Private Label Produkte auf Amazon und ist Gründer von privatelabeljourney.de – der größten deutschsprachigen Online-Community für Amazon FBA. Darüber hinaus ist er Initiator der Private Label Days, eine Konferenz ausschließlich zum erfolgreichen Verkaufen eigener Produkte auf Amazon.


 

Hi Gil,

es freut mich sehr, dass Du heute unser Gast bist und uns Einblicke ins FBA Business gewährst. Du bist Amazon FBAler und Gründer von privatelabeljourney.de, der größten deutschen Community für den Verkauf eigener Produkte auf Amazon. Stell Dich doch bitte kurz unseren Lesern vor. Wer bist Du? Wie bis Du Unternehmer und Amazon FBAler geworden? Was hast Du vielleicht schon vor Amazon FBA unternehmerisch bereits gemacht?

Ich habe für große Textilunternehmen den Einkauf in Asien und Ost Europa verantwortet. Als Strategie- und Technologie Consultant Key-Player der Logistik-, Mobil- und Textilindustrie mit Lösungen beraten um sich neu auf dem Markt zu positionieren. Als ich das erste Mal die Amazon FBA Luft geschnuppert habe – gab es kein Zurück mehr!

Bevor wir in die Materie richtig einsteigen. Erzähl doch bitte kurz in ein paar Sätzen, was genau Private Labeling und Amazon FBA ist!

Private Label Produkte werden von E-Commerce Händlern in einer beliebigen Fabrik in Auftrag gegeben. Häufig ist dies in China, USA oder dem europäischen Ausland. Bei der Herstellung wird nur wenig an den verfügbaren Produkten angepasst und anschließend mit dem eigenen Markenlabel versehen.

Es handelt sich um generische Produkte die keine Patente verletzen und problemlos produziert werden können.

Als Eigentümer von „MeineMarke“ kontrolliert ein Private Label Verkäufer alle Produkte die unter diesem Namen auf den Markt kommen. Der Private Labeler ist daher auch für das Bekanntmachen der Marke verantwortlich.

Der große Vorteil am Vertrieb: Dank dem „Versand durch Amazon“ fallen für den Private Labeler praktisch keine Arbeiten an, die er selber auf die Beine stellen müsste. Er kann im Prinzip alles vom Wohnzimmer aus steuern, da keine eigenen Angestellten oder Produktionsstätten gebraucht werden.

Was für Vorraussetzungen braucht man in Bezug auf Skills, Know How, Geld und Zeit? Kann Amazon FBA wirklich jeder? Wieviel kann man mit Amazon FBA verdienen und wie schnell kann das funktionieren?

Es benötigt schon ein Minimum an Lernwillen und vorherige Erfahrungen in deiner Nische oder im Handel generell sind hilfreich. Grundsätzlich kann aber jeder klein starten und die Skills lernen.

Gutes Englisch sollte vorhanden sein, das erleichtert den Start sehr. Ansonsten würde ich ein Startkapital von mindestens 3000 Euro empfehlen. Ja, es geht auch mit viel weniger dauert aber länger und ist schwieriger und langsamer zu skalieren.

Der Verdienst ist sehr stark abhängig von der Höhe des eingesetzten Startkapital, der eigenen Risikobereitschaft, dem Zeitaufwand und auch ein bisschen Glück bei der Produktwahl. fünfstellige Monatsumsätze nach circa 12 Monaten Aufbauzeit sind jedoch nicht unrealistisch wenn man es als ernsthaftes Business betreibt.

Nimm uns doch mal mit in einen typischen FBA Arbeitstag oder eine Arbeitswoche von Dir. Was für Aufgaben stehen da auf dem Stundenplan?

Produktrecherche ist immer ein Thema um die eigenen Produktpalette zu erweitern. Dazu kommt Kundenservice, Nachbestellungen von Warenbestand, Verhandlungen mit Zulieferern oder auch das organisieren von neuen Produktbewertungen.

Eventuell Optimierung oder Erstellung von Listings, erstellen einer neuen Private Label Marke falls nötig und vieles mehr. Das Business ist wirklich sehr vielfältig und beinhaltet sowohl spannende Aufgaben als auch Routine Tasks die man später outsourcen kann.

Amazon FBA ist nicht zuletzt Dank Deiner Mithilfe in Deutschland gerade ein richtiger Hype. In Amerika hat sich dieses Geschäftsmodell schon seit ein paar Jahren etabliert. Woher kommt der plötzliche Trend und wieso erst jetzt und nicht schon vor 10 Jahren? Private Labeling gibt es ja schon seit vielen Jahren.

Durch Amazon FBA ist es jetzt auch kleinen Händlern und Selbstständigen möglich eine eigene Marke aufzubauen. Tools wie alibaba.com, Fiverr, Odesk oder auch Amazons eigenes FBA Angebot machen die one-man-show möglich.

Vor einigen Jahren war das noch viel komplizierter. Dazu kommt das bis vor einem Jahr kaum deutsche Infos zu dem Thema vorhanden waren. Genau in diese Lücke sind wir mit privatelalbeljourney.de und unserem Kurs dann eingestiegen und haben seitdem vielen Menschen helfen können.

Viele Menschen sehen in Amazon FBA die große Chance der Selbstständigkeit und der Möglichkeit ein zeit- und eventuell sogar ortsunabhängiges Leben zu führen. Was macht Amazon FBA so lukrativ und interessant?

Wie du in deiner Frage selbst schon ansprichst ist es ein sehr flexibles Business. Man kann sich online einloggen von der ganzen Welt aus, Bestellungen im Netz verwalten und steuern, Aufträge an Speditionen outsourcen genau wie die Qualitätskontrolle oder den Kundenservice an Dienstleister.

Der Händler muss die Ware quasi nie in die Hand nehmen und hat somit sehr viel Spielraum. Mit wenigen Stunden am Tag lässt sich so ein Unternehmen schon wirtschaftlich betreiben. Die Gewinne der verkauften Produkte liegen je nach Kategorie oft zwischen 20 bis sogar 50% vom Verkaufspreis.

Durch die Masse der verkauften Ware und die sehr einfach Skalierung in ausländische Märkte haben wir damit ein sehr attraktives Geschäftsmodell.

Aber ernsthaft, ist es wirklich so einfach wie sich es viele derzeit ausmalen? Es gibt doch sicherlich auch viel zu beachten wie z.B. genaue Zoll- und Einfuhrbedingungen.

Es ist nicht unbedingt einfach und man kann auch viele Fehler machen, aber es ist realistisch. Mit viel Willen und Durchhaltevermögen verzeiht dieses Business auch mal die ersten Fehler ohne daran pleite zu gehen.

Vieles ist dann learning by doing, mit einem Kurs, den verschiedenen kostenlosen Blogs und der Hilfe der Facebook Community lässt sich aber vieles schon im voraus abklären. Den Zoll zum Beispiel übernimmt dann die Spedition oder der Express Dienstleister wie DHL oder UPS.

Damit zusammenhängende Fragen wie etwa alles zum Thema EORI Nummer kann man Googlen oder in der PLJ Facebookgruppe erfragenin der Regel.

Was sind Deiner Meinung nach die 3 wichtigsten Dinge für ein erfolgreiches Amazon FBA Business?

Kapital. Kreativität. Durchhaltevermögen.

Wieviele Produkte hast Du mittlerweile am Markt? Wieviele neue Produkte sind bereits in Planung?

Ich selbst vertreibe zur Zeit 5 Produkte am Markt, mit Varianten allerdings wesentlich mehr. In Planung ist immer irgendwas und das muss auch so sein. Private Labeling duldet keinen Stillstand 🙂

In welchen Branchen bist Du unterwegs? Kannst Du konkrete Produktbeispiele von Dir nennen? Konntest Du Dir bereits eine Marke aufbauen? Ich weiß eine gemeine Frage, denn die meisten FBAler hüten ihre eigenen Produkte wie das Gold in Fort Nox. Wieso ist das so? Hat man wirklich so viel Angst vor Nachahmern? Man soll sich doch sowieso durch eine gute eigene Marke positionieren, um langfristigen Erfolg zu haben.

Wie bereits viele wissen bin ich im Bereich Sport unterwegs und dort herrscht schon einiges an Konkurrenz. Daher möchte man sich natürlich nicht noch freiwillig Nachahmer einladen die die eigenen Produkte kopieren.

Gerade beim Private Labeling sind die Veränderungen und Unterschiede oft klein und ohne Patent, daher ist es leicht für jemanden mit genügend Kapital eine andere Marke zu kopieren.

Langfristig macht es Sinn sich eine Marke aufzubauen, was mir bisher auch ganz gut gelungen ist. Viele Händler starten mit simplen Produkten unter einer Marke und mit der Zeit werden die Produkte komplexer oder die Abänderungen größer. So ist es dann schwieriger kopiert zu werden und die Angst vor dem Nachahmer wird weniger.

Amazon mutiert immer mehr vom Marktplatz selbst zum Händler und produziert eigene Produkte z.B. unter ihrer Marke AmazonBasics. Diese Produkte kann Amazon meist sehr günstig anbieten. Darüber hinaus haben viele chinesische Produzenten der ganzen Private Label Artikel erkannt, dass es sehr lukrativ ist direkt auf Amazon selbst zu einem sehr günstigen Preis zu verkaufen. Sind das nicht sehr schlechte Entwicklungen für deutsche Amazon FBAler? Hat Amazon FBA eine langfristige Zukunft? Wie kann sich der kleine FBAler dagegen am Besten wehren?

Diese Entwicklung beobachte ich auch, zur Zeit gibt es jedoch wenig Grund zur Sorge. Wer sich an die Spielregeln hält und weiß was er da tut wird gegen jeden Chinesen Erfolg haben. Viele nutzen kein FBA oder haben keinen Kundenservice.

So kann man sich mit guter Beratung, korrekter deutscher Sprache und schnellerer Lieferung auf Dauer gesehen absetzen. Dazu liegt es an jedem Private Labeler selbst die Qualität seiner Produkte entsprechen hoch zu halten.

In Amerika läuft der Trend bereits viel länger und auch dort gibt es noch Geld zu verdienen. Ich denke Amazon und das FBA Modell bleiben uns durchaus noch einige Jahre erhalten, auch wenn es natürlich Veränderungen geben wird.

Direkt mit Deinem Start ins Amazon FBA Business hast Du die Seite privatelabeljourney.de – Deutschlands größte Amazon FBA Community – ins Leben gerufen. Was bietet privatelabeljourney genau und wie bist Du auf die Idee gekommen? Wie hat sich seit dem Start das Projekt und die Community entwickelt?

Die Community wurde ursprünglich von meine Partner Thomas Albiez ins Leben gerufen und da wir uns aus einer Mastermind kannten bin ich schnell mit eingestiegen. Der Grund dafür war einfach die Suche nach einem Austausch – es gab schlicht und ergreifend keine deutschen Alternativen.

Der Zulauf war von Anfang an groß und da wir neben der Facebook Gruppe mittlerweile auch den größten Blog zu dem Thema samt erfolgreichem Podcast und YouTube Channel anbieten sind wir breit aufgestellt. Momentan entwickel sich Private Label Journey als genau wie ich es mir wünsche.

Darüber hinaus hast Du in Kooperation mit AMZCON die Private Label Days ins Leben gerufen. Erzähl doch mal, was genau steckt dahinter und was können die Besucher erwarten?

Wir haben zusammen mit Trutz Fries dem Veranstalter der AMZcon in Köln die größte deutsche Amazon Konferenz zum Thema Private Labeling in Hamburg geplant. Am 03.09.2016 wird es dort eine tolle Veranstaltung geben mit internationalen Speakern wie Manuel Becvar von Importdojo, Anthony Lee von Zonblast oder Franz Jordan von Marketplace Analytics. Das genaue Programm und die Tickets gibt es auf privatelabeldays.de

Neben dem Programm ist es einfach eine tolle Gelegenheit neue Leute kennezulernen un zu netzwerken: Aus diesem Grund haben wir auch eine große Afterparty geplant!

Wie ist Dein langfristiger Businessplan für die nächsten Jahre im FBA Bereich? Willst Du immer mehr Produkte an den Start bringen oder baust Du lieber die Bekanntheit der bestehenden Produkte immer weiter aus damit Du auch nicht mehr ganz so abhängig von Amazon bist? Glaubst Du, dass Du auch noch in 10 bis 15 Jahren diese Produkte verkaufst oder könntest Du Dir vorstellen, dass Amazon FBA auch irgendwann wieder vorbei ist?

Neue Produkte und vielleicht sogar neue Marken sollten immer Teil des Plans sein. So ist es auch bei mir, ich werde das Business also weiter ausbauen. Darüber hinaus plane ich natürlich langfristig auch den Verkauf im Ausland auf anderen Märkten und über eine eigene Webseite.

Amazon verändert sich genau wie Ecommerce im allgemeinen. Daher werden wir sehen wie es in 25 Jahren aussieht aber irgendwo werden die Menschen auch dann noch ihre Produkte kaufen. Und da will ich dann bereit sein.

Gil vielen Dank für die Insights in Deine und die allgemeine Amazon FBA Welt. In Teil 2 werden wir auf Dich als Unternehmer eingehen.

 

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