Ein Gastbeitrag von Matthias Pauers der Teamprove GmbH.

Start-ups agieren schnell, andersartig, flexibel und sind extrem innovativ. Dieses Bild hat man im Allgemeinen von den jungen Unternehmen, über die gerade in allen Medien viel berichtet werden. Ja, es stimmt: Start-ups entfalten oft sehr großes kreatives Potential und sorgen mit ihren neuartigen Ideen für einen Umbruch in einigen Branchen. Doch abseits aller Klischees muss man sich auch eingestehen, dass nicht alle Neugründungen mit Schnelligkeit und Durchschlagskraft punkten. Einige agieren genauso langsam wie große, traditionsreiche Unternehmen.

Warum? Ein Grund ist, dass viele Start-ups auf Biegen und Brechen andersartig sein möchten und dabei wichtige Erfolgsfaktoren über Bord werfen. Diese fünf Fehler findet man (leider) immer wieder vor:

Fehler 1: Ohne Businessplan starten

Steve Jobs und Bill Gates starteten ihre heutigen Weltkonzerne einst in der Garage. Und Facebook und Twitter besaßen über viele Jahre hinweg kein Businessmodell. Solche Erfolgsgeschichten treiben junge Gründer an, den gleichen Pfad zu beschreiten. Also wird einfach losgelegt – und das ohne ein Konzept des Geldverdienens. „Das Businessmodell wird sich schon noch ergeben“, denkt so mancher übereifriger Entrepreneur.

Doch wir leben nicht in einer Welt, in der Milch und Honig fließt. Auch der moderne Mensch braucht noch Geld, um zu überleben. Da nicht jeder sein Start-up über Crowdfunding oder mit dem Ersparten von Oma finanzieren kann, muss ein Kredit von der Bank her. Und dafür wird ein Businessplan gefordert. Einer, der schlüssig und vertrauenserweckend klingt. Deswegen ist ein wasserdichter Businessplan das A und O.

Ich bin mir sicher, auch ein Bankberater oder Investor merkt, dass sich da jemand richtig Gedanken gemacht hat und ein besseres Gefühl für die Erfolgsaussichten des Start-ups haben. Wenn nicht, dann ist das wahrscheinlich der falsche Finanzierungspartner für ein innovatives Start-up.

Fehler 2: Ein bunt zusammengewürfeltes Team

Viele Start-ups werden zusammen mit Freunden und Bekannten gegründet. Verständlich, diese Menschen kennt man und vertraut ihnen. Doch Vertrauen ist nicht alles, was zählt. Beispielsweise benötigt man im Team oder bei der Unterstützung durch Freelancer Spezialisten für unterschiedliche Themenbereiche. Programmierung, Finanzen, Marketing, Pressearbeit, Personal und so weiter erledigen sich nicht von selbst. Dafür benötigt man Know-How und Erfahrung. Oder zumindest viel Ehrgeiz, um die Lücken durch Weiterbildung schnell zu schließen.

Fehler 3: Keine gute Unternehmenskultur

Ein weiterer Fehler ist: Es gibt keine klaren Ansprechpartner für die verschiedenen Aufgabenbereiche. In kleinen Unternehmen ist es normal, dass Geschäftsführung, Programmierung und Marketing in einer Person vereint werden. Doch bei größeren Start-ups sollte es keine Personalunion von unterschiedlichen Jobs mehr geben.

Viele Aufgabenbereiche sind derart komplex und zeitraubend, dass man dafür mindestens einen Ansprechpartner benötigt. Hierfür erweisen sich Hierarchien, gleichgültig wie ‚uncool‘ das klingt, als sehr nützlich. Doch viel wichtiger als klassische Hierarchien sind aus meiner Sicht ein funktionierendes Team, bei dem gemeinsames Vertrauen, Offenheit und respektvoller Umgang wichtige gemeinsame Werte sind.

Wenn der Team-Spirit fehlt, kann das zu Spannungen und zu einem Durcheinander führen. So etwas lähmt das Vorankommen – und damit verliert man an „Drive“, was im schlimmsten in der Pleite endet. So etwas kommt auch bei erfahrenen Teams vor. Um diese Probleme zu lösen, kann man zum Beispiel die Unterstützung von externen Coaches in Anspruch nehmen. Sie helfen unter anderem bei der internen Kommunikation und bei der Teamarbeit, indem sie Strukturen neu ordnen und bessere Arbeitsmethoden einführen.

Fehler 4: Es gibt kein Konzept

Die bislang genannten Fehler basieren gerne auf Fehler Nummer 4: Der oder die Gründer haben zwar eine Vision einer Geschäftsidee, doch keinen genauen Plan, wie sie diese erreichen möchten. Es fehlt ein klares und verständliches Konzept. Das Konzept sollte detailgenau beschreiben, wie das zukünftige Produkt oder die Dienstleistung aussehen soll und welche Schritte dafür gegangen werden müssen.

Fehler 5: Die Zielgruppe verfehlt

Nachdem ein Start-up mehrere Jahre lang in der Garage (oder in einem coolen Gründerzentrum) vor sich hin entwickelt hat, ist das Produkt fertig. Also wird es auf die Menschheit losgelassen – und die versteht nicht, was sie damit anfangen soll.

Das kann daran liegen, dass das Produkt trotz langer Entwicklungszeit unreif wirkt und voller Fehler steckt. Und was genauso schlimm ist: Es wurde am Markt vorbei entwickelt. Das heißt, es gibt keine passende Zielgruppe dafür. Oder diese ist so klein, dass man die benötigte, kritische Masse nicht erreicht.

Die Gründe für diesen Fehler liegen unter anderem an einem löchrigen oder gar fehlenden Konzept und an den zu spät gewählten Zielgruppentests. Kenne deine Kunden, lautet eine alte und richtige Business-Weisheit.

Um seine Kunden bzw. potentiellen Kunden kennen zu lernen, kann man einerseits intensive Recherchen und Marktstudien betreiben. Doch diese garantieren keinen Erfolg. Besser und zeitsparender ist es, wenn man sein Produkt frühestmöglich auf die Kunden loslässt. Hierbei muss es nicht einmal 100%ig fertig sein. Es genügt ein Prototyp. Besser gesagt: das MVP.

MVP steht für Minimum Viable Product, also das kleinstmögliche Produkt. Eine stark abgespeckte Version der großen Vision. Damit kann man erkennen, ob die Ideen und die eigenen Annahmen richtig sind oder nicht. Um ein MVP oder einen Prototypen zu entwickeln, gibt es agile Entwicklungsmethoden wie SCRUM.

Fazit

Entrepreneure mögen kreativ und innovativ sein, doch auch sie benötigen Strukturen. Vom Konzept und Businessplan bis hin zur Teamkommunikation und Entwicklungsmethoden gibt es einige Dinge zu beachten. Am besten beschäftigt man sich als angehender Gründer lieber zu früh, als zu spät damit!

 
TEILEN
Vorheriger ArtikelPreneur Week Review KW30
Nächster ArtikelBlogger-Urgestein Peer Wandiger von SelbständigImNetz im Interview Teil 1
… ist Coach für Software-Entwicklung und greift mit seiner Firma Teamprove gerne Start-ups unter die Arme. Denn als Fußball-Fan weiß er, worauf es ankommt: auf Kommunikation, Teamwork und agile Methoden, um schnell zum Ergebnis zu kommen. Um die Zusammenarbeit zu verbessern und zu beschleunigen, unterstützt Matthias Pauers junge Unternehmen mit seiner Expertise.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Matthias,

    ein abermals toller Artikel! DANKE dafür.

    Gerade beim Thema Business-Plan gilt es aus meiner Sicht die Perspektive richtig zu wählen. Natürlich machen viele StartUPs diesen auf den ersten Blick für Banken und Investoren. Aber hier liegt der Fehler. Jedes StartUP sollte seine Business-Idee mit Hilfe eines „ehrlichen“ Business-Plans (also ohne schön rechnen) zunächst mal für sich selbst auf Herz und Nieren prüfen. Ggf. gilt es dann diese Idee zu verfeinern und zu „perfektionieren“, bis sich der Plan halt als richtig tragfähig erweist. Dann weiß der Gründer aber auch eine ganze Menge mehr, weil der Plan eben nicht für eine Dritte Person, sondern für sich erstellt ist. Das Mindset ist ganz anders.

    Dies widerum wird auch der Investor merken. Wenn dann der Business Plan in die Jahresplanung überführt wird und somit im Grunde jedes Jahr angepasst wird, dann ist schon aus BWL-Sicht schon viel für den eigenen Erfolg getan.

     

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT